Der Bruder von Marc Marquez schildert das Malheur. Beim Öffnen eines Fensters brach die Platte im Arm.

MotoGP-Weltmeister Marc Marquez wird mindestens das anstehende Rennwochenende zum Grand Prix von Tschechien in Brünn auslassen, möglicherweise auch die beiden direkt folgenden Österreich-Wochenenden in Spielberg.

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Am Montag wurde der Titelverteidiger ein zweites Mal in Barcelona operiert und muss sich auskurieren. Wie Honda-Teammanager Alberto Puig zu Protokoll gab, hat sich Marc Marquez die im rechten Oberarm eingesetzte Titanplatte beschädigt, als er zu Hause „ein Fenster ein öffnen wollte“. Bruder Alex Marquez, der bei der Situation im Gegensatz zu Puig dabei war, präzisiert, was vorgefallen ist.

„Ich wohne ja mit ihm zusammen“, bemerkt der jüngere Marquez-Bruder und berichtet: „Es war 7:30 Uhr am Montagmorgen. Ich habe noch geschlafen, aber er war schon etwas früher aufgestanden. Als er mich aufgeweckt hat, hatte er schon ein Problem mit dem Arm.“

„Französisches Fenster“ war das Problem

Der jüngere Marquez-Bruder erzählt, dass der ältere „zu einem Spaziergang mit den Hunden unterwegs war, als er versuchte, eines dieser großen Fenster zu öffnen“. Mit „großem Fenster“ ist eine Schiebetür aus Glas gemeint, die als „Französisches Fenster“ bekannt ist.

Alex Marquez weiter: „Es war eine seltsame Situation, aber so etwas kann halt passieren. Da kannst du nichts machen. Zum Glück waren ich und auch ein Physiotherapeut zu Hause, um zu helfen. Anschließend ging es für ihn Marc ins Krankenhaus.“

Speziell in Spanien hagelte es nach der zweiten Operation innerhalb kürzester Zeit mediale Kritik – auch an den Ärzten. Im Nachhinein äußert sich Puig diplomatisch und lässt nur zwischen den Zeilen eine Kritik an den Ärzten durchklingen.

„Wir hatten es in Jerez probiert, weil die Ärzte ihr Okay gegeben hatten. Wenn wir die Information gehabt hätten, dass die Platte brechen könnte, dann wäre Marc wahrscheinlich nicht nach Jerez gefahren und Honda hätte es ihm nicht erlaubt“, sagte Puig.

„Positiv ist nur, dass ihm das jetzt bei ihm daheim passiert ist und nicht in Brünn oder in Spielberg auf dem Motorrad“, glaubt Puig an etwas Glück im Unglück. „Ein weiterer Sturz hätte massive Konsequenzen haben können.“

Im Honda-Werksteam hat Alex Marquez am Brünn-Wochenende nicht seinen Bruder, sondern HRC-Ersatzfahrer Stefan Bradl als Teamkollege. Der Deutsche wird dabei übrigens mit der Crew des Stammfahrers arbeiten. Für Crewchief Santi Hernandez und Co. ist es das erste Mal, dass sie mit einem anderen Fahrer als Marc Marquez arbeiten.

Honda mit neuer Philosophie? Crutchlow glaubt nicht dran

Dass sich an der Honda-Philosophie in Bezug auf die Entwicklung etwas ändern wird, glaubt einer allerdings nicht. Cal Crutchlow, der im LCR-Team eine aktuelle Honda fährt, sagt: „Ich bin sicher, dass sie ihre Philosophie nicht ändern werden. Das Bike ist in den Händen von Marc ein Siegermotorrad und auch ich habe damit gewonnen.“

Damit spricht Crutchlow auf seine drei Siege an, die er mit der RC213V eingefahren hat. Der erste davon gelang in der Saison 2016 in Brünn, wo an diesem Wochenende gefahren wird. Zwar merkt der Brite an, dass „ich im Laufe der Jahre immer mal wieder um ein neutraleres Bike gebeten habe, das über eine Saison gesehen einfacher zu fahren ist und mit dem alle Fahrer konkurrenzfähig sein können“.

Allerdings hält Crutchlow wenig davon, jetzt von Marc Marquez‘ vorgegebener Entwicklungsrichtung abzuweichen. „Warum sollten sie ein Bike, das mit einem Fahrer reihenweise WM-Titel gewinnt, verändern? Marc ist über die Jahre unglaublich gefahren und hat Titel um Titel eingefahren. Warum also etwas umbauen? Wenn ich ein Ingenieur bei HRC wäre, würde ich exakt das Gleiche tun.“

Inwiefern diese Strategie für Honda in der MotoGP-Saison 2020 aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Ob Ersatzfahrer Bradl im Werksteam auch die beiden Österreich-Rennen fährt, sollte Marc Marquez auch für diese ausfallen, steht derzeit noch nicht fest.