Ob in den kleinen WM-Klassen oder in der MotoGP: Jorge Lorenzo und Gigi Dall’Igna verbindet eine lange Zusammenarbeit, an die der Ducati-Sportdirektor gerne zurückdenkt.

Während seiner 18 Saisons in der Motorrad-WM hat Jorge Lorenzo mit vielen Teamchefs, Renndirektoren und Ingenieuren zusammengearbeitet. Einer, der ihn von Anfang an begleitete, war Gigi Dall’Igna. Der heutige Ducati-Sportdirektor arbeitete bis 2013 für Aprilia und kam früh mit Lorenzo in Kontakt.

Advertisement

„Ich kenne ihn seit dem Beginn seiner Karriere. Er ist ein sehr wichtiger Fahrer für mich. In der 250er-Klasse haben wir zwei WM-Titel gewonnen“, erinnert sich Dall’Igna im Gespräch mit ‚MotoGP.com‘. In den Jahren 2006 und 2007 war Lorenzo in der mittleren WM-Klasse auf Aprilia unschlagbar. 2008 stieg er dann auf.

Nach neun Saisons mit Yamaha und drei weiteren Titeln suchte der Spanier bei Ducati eine neue Herausforderung und traf wieder auf Dall’Igna. Doch die Zusammenarbeit währte nur zwei Jahre. Gerade als Lorenzo erste durchschlagende Erfolge aus der Desmosedici feiern konnte, verließ er Ducati in Richtung Honda.

Dall’Igna: „Manchmal ist es die falsche Entscheidung“

„Manchmal muss man eine Entscheidung treffen, bevor man alle notwendigen Daten hat“, blickt Dall’Igna zurück. „Und manchmal kann es auch die falsche Entscheidung sein. Aber wir können daran nichts mehr ändern. Ich bin sehr glücklich mit der Entwicklung seines Fahrstils, als er bei uns war.“

Zwar räumt der Italiener ein: „Es gab schwierige Momente, insbesondere am Anfang. Aber am Ende konnten wir das Problem lösen und die Ergebnisse erzielen, wie wir uns erhofft hatten.“ Auf drei Podestplätze im ersten Jahr folgten drei Siege im zweiten. Das Ende der Saison wurde jedoch von Verletzungen überschattet.

Sie verfolgten Lorenzo auch bei Honda. Schließlich entschied er sich zum endgültigen Rückzug aus dem aktiven Rennsport. „Der Tag seines Rücktritts war mit Sicherheit nicht der beste Tag meines Lebens. Er hat uns während seiner Karriere viele tolle Emotionen beschert. Wir werden ihn vermissen“, sagt Dall’Igna.

Lorenzo bestach durch einzigartigen Fahrstil

„Ich verbinde mit ihm viele gute Momente“, verrät er weiter. „Der erste war mit Derbi in der 125er-Klasse, als er in Assen 2004 das Rennen gewann. Es war eine fantastische letzte Runde. Danach natürlich der erste Titelgewinn in der 250er-Klasse. Und als er 2018 in Mugello gewann. Ich habe viele tolle Erinnerungen.“

Fahrerisch wie auch menschlich sei Lorenzo herausgestochen. „Er hatte großes Talent, fuhr das Motorrad auf seine ganz eigene Weise“, schwärmt sein einstiger Mentor. „Manchmal, wenn ich mir seine Telemetrie-Daten anschaute, gab es keinen anderen Fahrer wie ihn. Vor allem in seinen 125er- und 250er-Zeiten.“

Ein Comeback, eventuell sogar bei Ducati, hält Dall’Igna für unwahrscheinlich. Auch, wenn es solche Gerüchte in dieser Saison schon gab. „Ich denke nicht, dass das passieren wird. Er hat im Laufe des Jahres die Motivation verloren, erst recht nach den schweren Stürzen. Ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird.“