Ducati-Renndirektor Gigi Dall’Igna schätzt die Lage am MotoGP-Fahrermarkt ein. Er verrät, welches Vertragsszenario er sich für sein Team wünscht.

Als Gigi Dall’Igna vor wenigen Tagen am Rande der Ducati-Präsentation in Bologna auf den Fahrermarkt für 2021 angesprochen wurde, ahnte er wohl noch nicht, dass kurz darauf Yamaha mit gleich zwei Ankündigungen nacheinander den endgültigen Startschuss für die „Silly Season“ geben würde.

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„Der Fahrermarkt für 2021 wird früher oder später beginnen“, sagte Dall’Igna. „Jemand muss den ersten Schritt machen. Vielleicht hat es schon jemand getan. Das wissen wir nicht.“ Sicher hatte der Italiener aber eine Vorahnung. Denn die Verhandlungen mit Maverick Vinales sollen schon länger brach gelegen haben.

An ihm hatte Ducati mit Blick auf die MotoGP-Saison 2021 womöglich das größte Interesse. Doch der Spanier verlängerte bei Yamaha, die sich auch gleich noch gegen alle Versuche der Konkurrenz, Fabio Quartararo wegzulocken, absicherten. Nach der aktuellen Saison wird der Youngster ins Werksteam befördert.

Dall’Igna: „Titelsieg in der MotoGP fehlt noch“

Für Ducati dünnen sich die Optionen auf einen Topfahrer damit immer mehr aus. Mit dem Gedanken, Weltmeister Marc Marquez abwerben zu können, scheint man bereits abgeschlossen zu haben. Auch wenn die Verlockung, mit dem sechsfachen MotoGP-Champion zusammenzuarbeiten, groß ist.

„Wissen Sie, ich habe nur ein Ziel in meinem Leben“, antwortet Dall’Igna auf die Frage nach Marquez. „Ich habe Meisterschaften in der 125er- und 250er-Klasse sowie in der Superbike-WM gewonnen. Aber ein Titelsieg in der MotoGP fehlt noch. Das ist also mein klares Ziel: Die Meisterschaft in der MotoGP zu gewinnen.“

Mit Andrea Dovizioso hat Ducati dieses Ziel drei Jahre in Folge verfehlt, indem man „nur“ Vize-Weltmeister wurde. Ein möglicher Sieg-Kandidat für die Zukunft war Jorge Lorenzo, der jedoch erst gen Honda abwanderte. Mittlerweile ist er Testfahrer für Yamaha, wo er drei seiner fünf Titel holte.

Ducati-Rennchef malt sich Vertragsszenario aus

Wer kommt bei Ducati nach? Angesichts der eher enttäuschenden zweiten Saisonhälfte 2019 erscheint zumindest Danilo Petruccis Werksplatz mehr als unsicher. Doch Dall’Igna betont: „Wir müssen erst einmal mit dem Jahr 2020 beginnen. Und danach werden wir sehen.“ Hetzen lassen will er sich nicht.

Auch wenn er sich bezüglich möglicher Namen bedeckt hält, verrät der Ducati-Renndirektor: „Als ich Danilo unter Vertrag nahm, unterschrieb ich nur für ein Jahr, weil ich gern einen Zweijahresvertrag haben wollte, aber in eins plus eins gesplittet. Das muss also auch das Ziel für die Zukunft sein.“

Ob er dieses Ziel erreichen kann, wisse er nicht, gibt Dall’Igna zu. „Aber ich ziehe es sicher vor, pro Jahr nur einen Fahrer zu haben, mit dem ich über (Verträge; Anm. d. R.) diskutieren muss.“ Denn beide Piloten gleichzeitig zu wechseln, wäre für die Entwicklung des Motorrads doppelt ungünstig, weiß der Italiener.