Cal Crutchlow glaubt zu wissen, woran Takaaki Nakagamis Vorsprung liegt: Er fährt die 2019er-Honda.

Wirft man einen Blick auf die Honda-Bilanz nach fünf von 14 MotoGP-Rennen in dieser Saison, bildet in Abwesenheit von Weltmeister Marc Marquez LCR-Pilot Takaaki Nakagami die Speerspitze des japanischen Herstellers. Sein bisher bestes Saisonergebnis: ein vierter Platz im zweiten Jerez-Rennen.

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Zuletzt kämpfte er in Spielberg 2 um die Podestränge, allerdings nur bis zum Rennabbruch. Danach war nicht mehr als Platz sieben drin. Dennoch ist Nakagami der mit Abstand schnellste Honda-Fahrer im Vergleich zu Teamkollege Cal Crutchlow und dem Repsol-Duo Alex Marquez und Stefan Bradl, der für Marc Marquez einspringt.

Crutchlow glaubt zu wissen, woran Nakagamis Vorsprung liegt: Er pilotiert die 2019er-Honda. „Er sitzt auf einem Motorrad, das bereits ein Jahr lang weiterentwickelt wurde. Und sein Paket unterscheidet sich auch ein wenig von dem, was wir im vergangenen Jahr gefahren sind“, erklärt der Brite. „Daraus zieht er seinen Vorteil.“

Crutchlow: „Können nicht alle wie Marquez fahren“

„Sein Selbstvertrauen und sein Gefühl mit dem Motorrad sind gut, das sieht man auch in den Daten. Versucht er, wie Marc Marquez zu fahren? Ja, er nutzt die Hinterradbremse etwas mehr. Würde ich das tun, stünde das Ding am Ende des Tages in Flammen, so oft nutze ich sie schon. Letztlich versucht jeder, so gut es geht mit dem Motorrad zu fahren, um schnell zu sein. Jeder für sich mit seinem Motorrad.“

Nakagami arbeitet intensiv mit den Daten von Marquez aus dem Vorjahr und versucht, gewisse Dinge zu adaptieren. Auch damit erklärte der LCR-Pilot sein starkes Tempo. Eine Lösung, um die eigenen Probleme zu überwinden, sieht Crutchlow darin nicht.

„Ich bin nicht Marc Marquez oder Taka Nakagami. Ich fahre das Motorrad so, wie ich meine, es fahren zu müssen, immerhin stand ich damit schon einige Mal auf dem Podium. Wenn wir alle wie Marc fahren würden, würden wir alle gleichzeitig ins Ziel kommen… Das ist nicht die Realität“, stellt der 34-Jährige klar.

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Nakagami sicher: „Mit 2020er-Honda noch schneller“

Dennoch goutiert Crutchlow: „Taka befindet sich in einem großartigen Moment, und das sollte er auch. Es ist sein drittes Jahr in der MotoGP und an der Zeit, gute Ergebnisse abzuliefern. Und das tut er.“ Nakagami selbst glaubt derweil nicht, dass er im Vergleich zur eigenen Markenkonkurrenz so gut ist, weil er ein altes Bike fährt.

„Das höre ich immer wieder“, sagt Crutchlows Teamkollege. „Und ja, ich fahre das Vorjahresmodell. Ich will nicht sagen, dass das neue Motorrad immer perfekt funktioniert, auch weil ich nie das aktuelle Werksbike hatte. In den vergangenen zwei Jahren bin ich stets mit dem Vorgänger gefahren und habe damit gekämpft.“

Trotzdem ist der Japaner überzeugt: „Wenn ich die Chance bekäme, das auf dem Werksbike zu tun, glaube ich, dass ich schneller sein könnte als jetzt.“ Die Erklärung, mit der 2019er-Honda einen Vorteil zu haben, hält er deshalb – wortwörtlich – für „Bullshit“.

Vorjahresmotorrad zeigte 2019 früher Fortschritte

„Natürlich wurde das Motorrad schon ein Jahr lang entwickelt und mir liegen viele Informationen vor“, räumt Nakagami ein. „Aber es ist schwierig zu sagen. Das neue Motorrad hat mit Sicherheit mehr Leistung, das Chassis ist wiederum fast identisch. Aber wie gesagt: Ich bin damit nie gefahren, aber es sieht recht ähnlich aus.“

Crutchlow wiederum bleibt dabei: Aus seiner Sicht ist die Vorjahreshonda das bessere Bike. „Wir hatten damit bei den Vorsaisontests noch zu kämpfen. In Katar stand ich dann auf dem Podium, in Argentinien war meine Pace gut genug für Platz zwei, hätte ich die Durchfahrtsstrafe nicht bekommen. Auch im Rennen danach war ich bis zum Sturz vorne dabei“, blickt er auf den Beginn der vergangenen Saison zurück.

„Wir hatten ein gutes Gefühl gefunden und das blieb auch für den Großteil des Jahres so. Es gab nur ein paar Rennen, wo ich mich nicht fantastisch fühlte. An diesem Punkt jetzt in der Saison habe ich nicht den Eindruck, dass wir mit dem aktuellen Motorrad solche Fortschritte gemacht haben, wie sie uns damals gelungen sind.“

Und 2021? Nakagami denkt von Rennen zu Rennen

Trotzdem hat Nakagami mit Blick auf die Zukunft freilich die Hoffnung, irgendwann mit aktuellem Werksmaterial kämpfen zu dürfen. Doch der LCR-Pilot verrät: „Momentan sprechen wir noch nicht über das nächste Jahr“, auch wenn der Japaner als gesetzt gilt.

„Wir nähern uns gerade Schritt für Schritt dem Podium. Das ist etwas, das ich für mich selbst unbedingt erreichen möchte. Ich konzentriere mich deshalb auf ein Rennen nach dem anderen. Zumal diese Saison eine ganz besondere ist: Es gibt fast keine Pause, ein Rennen jagt das nächste“, erklärt Nakagami die Umstände.

„Wir haben jetzt August, das ist normalerweise die Zeit, in der man bezüglich der Zukunft zu verhandeln beginnt. Aber für mich zählt aktuell nur das Hier und Jetzt. Wenn das erste Podium kommt, würde das für 2021 natürlich eine gewisse Sicherheit bringen. Aber über die Zukunft will ich im Moment nicht nachdenken.“