Ducati fällt das Siegen in der Saison 2019 schwer, nicht nur gegen Marc Marquez – Andrea Dovizioso analysiert die aktuelle Lage bei den Roten.

Wenn auch mit großem Rückstand ist Andrea Dovizioso in der WM noch immer erster Verfolger von Honda-Konkurrent Marc Marquez. Dennoch machen dem Ducati-Piloten in dieser MotoGP-Saison neben Marquez auch die anderen Piloten und Hersteller das Leben schwer – unter ihnen MotoGP-Rookie Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha), Suzuki-Fahrer Alex Rins oder die zuletzt wiedererstarkten Yamahas.

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Doviziosos Teamkollege Danilo Petrucci, der jüngst noch deutlich mehr zu kämpfen hatte, verleitete das zu der Annahme, Ducati habe sich technisch gesehen im Vergleich zum Vorjahr nicht gesteigert. Doch „Dovi“ warnt: „Es ist unmöglich, die Details genau zu kennen. Weil man sich dem Vergleich mit den anderen Motorrädern und Fahrern stellen muss. Deshalb kann man es nicht zu 100 Prozent wissen.“ Schließlich hätten sich auch die anderen weiterentwickelt, was zu einem neuen Kräfteverhältnis führt.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir etwas besser sind als im vergangenen Jahr“, beteuert Dovizioso. „Aber die Reifen ändern sich. Der Asphalt ändert sich und die Konkurrenz arbeitet hart. In dieser Saison sind einige Gegner stärker als im Vorjahr. Wir sind also in einer großen Gruppe und jedes Wochenende wird sie durchgemischt.“

Dovizioso: „Das einzig Seltsame ist Marc“

Manchmal gleichen die Rennen denen aus dem vergangenen Jahr, „aber die meiste Zeit ist das nicht der Fall, weil die Konkurrenz besser ist als damals“. Einen erheblichen Anteil schreibt Dovizioso dabei auch den Reifen zu. „Die Michelin-Reifen und der Grip der Strecke haben einen großen Einfluss. Beides ist von Wochenende zu Wochenende verschieden“, sagt er.

Als Beispiel zieht der Ducati-Pilot die Yamahas in Aragon heran: „Sie waren in den Trainings so schnell. Aber am Ende hatten sie im Rennen etwas mehr zu kämpfen. Ich glaube, weil der Grip im Rennen anders ist und man entsprechend anders fahren muss. Sie haben sich in einigen Bereichen verbessert, in anderen noch nicht. Manchmal haben sie Probleme, in Misano waren sie besser. Das ist jedes Mal anders.“

„Das einzig Seltsame ist Marc“, grinst Dovizioso. „Er ist schwer zu analysieren, weil er einfach immer da ist und in jedem Rennen um den Sieg kämpft. Das ist sehr, sehr schwierig. Mit Sicherheit macht er den Unterschied.“ Und das auch bei den Reifen. Denn mittlerweile kann Marquez auch auf den weicheren Reifen gewinnen. Das war in der Vergangenheit vor allem eine Spezialität von Ducati, während Honda im Rennen oft die jeweils härtere Mischung wählte. Doch dem ist nicht mehr zwangsläufig so.

Die Krux mit den Michelin-Reifen: Was zehn Grad ausmachen

„Man muss seine Mentalität ändern, wenn man mit Michelin fährt. Es ist nicht wie in der Vergangenheit mit einer anderen Marke“, erklärt Dovizioso. Wir erinnern uns: 2015 verabschiedete sich Bridgestone als Einheitsreifen-Liererant aus der MotoGP. „Härter hieß damals konstanter, aber auch ein bisschen langsamer“, erinnert sich Dovizioso.

„So ist es nicht mehr. Viel hängt von der Temperatur des Asphalts ab. Manchmal ändern zehn, 15 oder 20 Grad die Funktionsweise des Reifens erheblich. Das muss man antizipieren und verstehen. Es ist nicht einfach, aber so arbeitet Michelin nunmal. Oft ist die weiche Mischung besser, weil man weniger rutscht und weniger Spinning hat. Wenn man clever fährt, ist der Abbau geringer als beim harten Reifen. Das unterscheidet sich komplett von dem, was wir zuvor erfahren haben“, weiß der Italiener.