ServusTV-Moderatorin Eve Scheer über die Faszination MotoGP, die Besonderheit der Arbeit, lustige Anekdoten sowie Erwartungen für die neue Saison 2020.

Am 6. März hätte in Katar die neue MotoGP-Saison 2020 beginnen sollen. Diese wurde nun jedoch aufgrund des Coronavirus auf das Rennwochenende in den USA ab 3. April verschoben. Die spektakulärste Rennaction gibt es auch wieder LIVE bei ServusTV im Free-TV und im gratis Livestream. Moderatorinnen sind auch in diesem Jahr wieder Andrea Schlager und Eve Scheer. Wir haben uns vor Saisonstart mit Eve Scheer unterhalten:

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servusmotogp.com: Was ist für Sie die Faszination MotoGP?

Eve Scheer: Für mich ist MotoGP der pure, harte und ehrliche Motorsport, den jeder Fan aktuell noch genießen und erleben kann, ob live an der Rennstrecke oder im TV. Du siehst einfach die spektakulärsten und spannendsten Rennen überhaupt und das egal in welcher Klasse – von Moto3 über Moto2 bis hin zur MotoGP. So etwas findet man im Motorsport auf der Welt fast nicht mehr. Leider muss man sich aber auch immer bewusst sein: Dieser Sport ist saugefährlich. Klar macht das genau den Reiz für den Fan aus. Zum Glück passiert ja auch in den meisten Fällen nicht so Schlimmes, wie es vielleicht im ersten Moment aussieht.

servusmotogp.com: Was hat sich über die Jahre verändert?

Eve Scheer: Meiner Meinung nach können immer mehr junge, richtig starke Nachwuchsfahrer gleich fast an der Spitze mitfahren. Da kommst du zum Beispiel als Rookie wie Fabio Quartararo in eine MotoGP-Saison und fährst dann schon den alten Haudegen hier und da um die Ohren. Ich glaube auch, das Niveau und das Level, auf dem sich die Fahrer bewegen, ist noch mal enger und spannender geworden. Das ist sicherlich der Technik geschuldet, weil sich in den letzten Jahren so viel verändert hat – vor allem was Aerodynamik, Design, Material etc. betrifft. Das ist so eine hohe Ingenieurs-Kunst! Außerdem muss man sich die Manpower ansehen, wie viele Menschen – vom Mechaniker bis hin zum Management – da heutzutage involviert sind. Vor 30 Jahren war das gewiss ein bisschen kleiner und überschaubarer.

servusmotogp.com: Was ist die Besonderheit bei der Arbeit in der Boxengasse?

Eve Scheer: Dass du alles so hautnah und intensiv, live direkt vor Ort erleben darfst. Diese Heroes und Idole, die uns alle so begeistern, dann am Mikro zu haben, ist großartig, um ihnen spannende Geschichten und ehrliche Aussagen zu entlocken. Das macht Spaß und fasziniert mich. Oder aber auch zu sehen, wie sich die ganzen Nachwuchspiloten in der Moto3 oder im Red Bull Rookies Cup entwickeln und kämpfen. Das sind die Stars von übermorgen. Mich begeistert sehr, da so nah ranzukommen. Das ist unheimlich spannend.

servusmotogp.com: Was ist die größte Herausforderung Ihres Jobs?

Eve Scheer: Ich würde sagen: Auf den Punkt zu kommen bzw. zu sein. Ich mache seit 15 Jahren viel im Motorsport aber vor allem im Event-Bereich. Du gibst mir ein Mikrofon und ich kann 20 Minuten lang mit einem Fahrer oder Ingenieur sprechen. Aber im Fernsehen bei einer Livesendung muss ich mich disziplinieren. Denn da hat man nur ein gewisses Zeitfenster. Aber das Wichtigste ist, dass der Experte an meiner Seite zu Wort kommt. Als Moderatorin bin ich mir bewusst, dass vor allem die Experten-Meinung gefragt ist. Er muss die richtigen Fragen bekommen und dem Zuschauer muss es Spaß machen. Gut finde ich eine Mischung aus Information und Humor.

servusmotogp.com: Was sind Ihrer Meinung nach die Unterschiede zu anderen Rennserien?

Eve Scheer: Im Vergleich zum Automobilsport fasziniert mich an der MotoGP – gemeinsam mit der Moto2 und Moto3 – wie wichtig noch der Fahrer ist. Klar haben sie das tollste Material unter dem Hintern – da wird getüftelt und gefeilt. Das Talent, das Können und die Kunst des Fahrers ist jedoch herausragend und steht noch immer mehr im Mittelpunkt. Das sehe ich zum Beispiel leider kaum mehr in der Formel 1. Dort ist es mir oft zu sehr von Ingenieuren gesteuert. In der MotoGP gibt es keinen Funk, sondern das klassische Pit-Board, das rausgehalten wird. Fast die einzige Kommunikation von der Boxenmauer zum Fahrer. Da gibt es auch nicht die Möglichkeit, dass Ingenieure einfach von außen was an der Elektronik oder der Fahrwerks-Abstimmung verstellen können. Sondern: Der Fahrer auf seiner Maschine hat es auf der Strecke selbst in der Hand. Und ich weiß, das sieht der Fan! Es wird alles Mögliche getan, was beispielsweise Protektoren und Fahrer-Airbag angeht. Trotzdem ist es faszinierend, welche Risiken die Fahrer eingehen, um uns diese spektakuläre Show zu bieten. 

servusmotogp.com: Welche ist für Sie die schönste Rennstrecke?

Eve Scheer: Eine nicht Motorrad-Strecke wäre für mich ganz klar die Nürburgring Nordschleife. Ich mag generell Strecken, wo es Höhenunterschied im Layout und blinde Kurven gibt. Ich kenne noch nicht alle MotoGP-Rennstrecken live, einige davon lerne ich dieses Jahr erst kennen. Mugello finde ich aber z.B. großartig. Die Strecke kenne ich selbst von einem Track-Day – eine mega coole Strecke mit der Kombination aus Top-Speed, den spannenden Passagen rauf und runter und den Schikanen. Und das mitten in der Natur!

servusmotogp.com: Wer ist der lustigste bzw. schwierigste Fahrer?

Eve Scheer: Pol Espargaro ist einer der Lustigsten und Freundlichsten. Wer der schwierigste Fahrer ist, kann ich gar nicht sagen. Das hängt auch von der Tagesverfassung ab. Wenn es zum Beispiel sportlich nicht läuft, dann verstehe ich, dass jemand einfach nur „pissed“ ist und keinen Bock hat. Weil es eben bei diesem Rennen oder seit fünf Rennen oder auch die ganze Saison schon nicht läuft. Ich mag diese Ehrlichkeit, einen wahren Charakter und ich sehe gerne die Persönlichkeit. Manche sprechen dann jedoch davon, dass dieser Fahrer schwierig ist. Marc Marquez hingegen kannst du als Journalist immer fragen, der hat immer einen Smile auf dem Gesicht. Das ist natürlich super dankbar.

servusmotogp.com: Was war Ihr Highlight 2019?

Eve Scheer: Mein allererstes Interview und das gleich bei meinem ersten Wochenende mit Valentino Rossi. Und ich wünsche mir gleich ein Highlight für 2020, das letztes Jahr leider zeittechnisch nicht geklappt hat: Endlich auf dem Doppelsitzer zu fahren. Das ist mein ganz großer Traum.

servusmotogp.com: Gibt es lustige Anekdoten aus der Saison 2019, die Sie uns erzählen dürfen?

Eve Scheer: Es ist so viel Lustiges – auch On-Air vor der Kamera – passiert. Vieles kann man auch nicht erzählen. Etwas überraschend Lustiges, was ich gelernt habe, war, dass Marcel Schrötter ein totaler Hasenfuß ist was Tiere angeht. Als wir in Australien auf Phillip Island waren, da gab es nicht nur einen süßen Koala, sondern auch Schlangen. Da war er der allererste, der geflüchtet ist. Oder – was der Fan leider auch nie mitbekommt – sind gemeinsame Autofahrten von Bruggi, Alex, Bradl und mir: Die Musik-Auswahl und dann die Gesangseinlagen der Herren – sensationell. Eigentlich müsste man 2020 einmal unbedingt eine GoPro mit ins Auto nehmen. Das sind starke Karaoke-Fähigkeiten, von denen der Fan vielleicht noch nichts weiß.

servusmotogp.com: Wer ist der lustigste Teil der MotoGP-Crew von ServusTV?

Eve Scheer: Oh, da gibt es sicher einige Kandidaten. Vielleicht den meisten Humor und das größte Fingerspitzengefühl muss Christian Brugger mitbringen, weil er sowas wie die Schnittstelle für alle On-Airs ist. Der hat immer Alex Hofmann neben sich sitzen, das ist mega lustig und Herausforderung zugleich. Dazu dann noch abwechselnd – Stefan Bradl, Gustl Auinger, Andrea Schlager und mich – am Ohr. Also ein buntes Potpourri, dass Bruggi da „handeln“ darf. Oder muss (lacht).

servusmotogp.com: Welche Erwartungen haben Sie für die Saison 2020?

Eve Scheer: Dass es noch geiler wird als 2019. Und das in jeder Hinsicht: Sportlich auf der Strecke, was wir in der Boxengasse versuchen zu rocken und dem Fan vermitteln wollen. Und natürlich, dass ich noch weiter lerne, lerne, lerne. Ich wünsche mir außerdem, dass die deutsche Community wächst und die Fans wissen, dass ServusTV frei empfangbar ist.

servusmotogp.com: Welchen Tipp haben Sie für 2020?

Eve Scheer: Ich tippe auf den ersten Sieg von Fabio Quartararo. Und ein Wunsch, dass unser Experte Stefan Bradl bei seinem Wildcard-Einsatz wieder in die Top 10 fährt.

Interview: Julia Baumgartner