Noch hat Aprilia für den MotoGP-Test in Sepang keinen offiziellen Ersatz für Andrea Iannone nominiert – Teammanager Fausto Gresini schildert seine Sicht der Dinge.

Mit seiner runderneuerten RS-GP wollte Aprilia 2020 eigentlich zum Angriff blasen. Doch die Italiener erhielten einen Dämpfer, bevor die MotoGP-Saison überhaupt begonnen hat. Denn mit der Doping-Affäre um Andrea Iannone fehlt der Truppe aus Noale ein wichtiger Baustein für ihre Mission, die Lücke zur Konkurrenz zu schließen.

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Während Aprilia dem von der FIM vorläufig suspendierten Piloten seine volle Unterstützung zusichert, kommt das Team nicht umhin, sich für den bevorstehenden MotoGP-Test in Sepang nach Alternativen umzusehen. In den letzten Tagen wurde diesbezüglich nicht nur der Name von Testfahrer Bradley Smith ins Spiel gebracht.

Und das aus gutem Grund. „Bradley Smith wird seinen Platz einnehmen. Aber er wird sich abmühen, alle Testtage alleine zu absolvieren. Die drei für Tester und die drei für Stammfahrer. Es wird also Hilfe benötigt“, betont Aprilias Teammanager Fausto Gresini im Gespräch mit ‚GPOne.com‘.

Auch Altmeister Max Biaggi offenbar eine Option

Als Plan B nannte Technikdirektor Romano Albesiano kürzlich Max Biaggi und Lorenzo Savadori. „Es wäre wirklich schön, Max auf der Aprilia zu sehen. Aber es wäre eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für ihn“, sagt Gresini über den erfahrenen Italiener.

„Seine Geschwindigkeit und sein Können sind unbestritten. Aber es ist eine Sache, auf der Strecke zu fahren, um Spaß zu haben, wie er es tut. Eine andere ist es, sich einem so wichtigen Test auf einem neuen Motorrad zu stellen.“ Nach Meinung des Teammanagers ist deshalb Savadori „die beste Option“ in der aktuellen Situation.

„Er ist ein junger Fahrer, der seine Sache gut machen und sich engagieren will. Er hat Erfahrung in der Superbike-WM (2016 bis 2018 auf Aprilia, Anm. d. Red.) und kennt alle Jungs im Team. Also wäre es für alle einfacher, ihn zu engagieren.“

Wie lange bleibt Iannone noch gesperrt?

Andere Optionen als diese sieht Gresini derzeit nicht. „Ich hörte sogar schon den Namen Jorge Lorenzo. Aber ich glaube wirklich nicht, dass das passieren wird.“ Stattdessen wurde der Ende 2019 zurückgetretene Spanier zuletzt mit einer möglichen Testfahrer-Rolle bei Yamaha in Verbindung gebracht, seinem langjährigen MotoGP-Team.

Wie lange Iannone tatsächlich ausfallen wird, weiß im Moment niemand. Sollte er länger disqualifiziert bleiben, müsste sich Aprilia auch nach einem Renn-Ersatz umschauen. „Wir wissen nichts. Er könnte für einen Monat, zwei Monate, ein Jahr oder vielleicht nicht mal für einen Tag suspendiert bleiben“, beschreibt Gresini die Lage.

Klar ist: Dieses Problem hätte für das Team kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können. „Weil wir ein großes Programm geplant haben und das neue Motorrad auf die Strecke gehen muss. Wir haben eine große Investition getätigt“, so Gresini weiter.

Aprilia will 2020 die Kehrtwende schaffen

Gresini sieht das Jahr 2020 daher als „Jahr der Wahrheit für Aprilia“. Mit dem Engagement von Massimo Rivola in der letzten Saison habe sich vieles zum Positiven entwickelt. „Wir sehen, dass die ganze Gruppe an das Projekt glaubt und wichtige Investitionen getätigt wurden.“ Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das neue Motorrad.

„Die fünf Jahre, die wir in der MotoGP gefahren sind, haben uns geholfen, Erfahrung zu sammeln. Sie haben uns erlaubt, unser Niveau zu verstehen und zu sehen, was uns fehlte. Das neue Motorrad ist zur richtigen Zeit angekommen und ist das Ergebnis dieser Erfahrung. Es wird in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich sein“, verrät der Teammanager.

Bisher nur auf dem Prüfstand, wird die RS-GP 2020 beim Sepang-Test zum ersten Mal auf der Strecke dem Härtetest unterzogen. In dieser entscheidenden Phase auf Iannone verzichten zu müssen, „macht die Dinge doppelt so schwierig“, weiß Gresini.

Aprilia glaubt weiter an Iannones Unschuld

„Er ist ein erfahrener Fahrer, der schon mit anderen MotoGP-Maschinen gefahren ist. Und seine Hinweise wären sehr wichtig. Aber es wird Aleix Espargaro geben, der einen guten Job machen wird.“ Was Iannones positive Doping-Probe angeht, geht der Teammanager wie auch der Rest der Crew davon aus, dass ein Versehen vorliegt.

„Ich glaube, er hat nichts falsch gemacht. In Sepang tauchte er sofort bei den Kontrollen auf. Und das ist nicht das Verhalten von jemandem, der etwas zu verbergen hat“, glaubt Gresini. „In diesem Rennen verlieren die Fahrer eine Menge Flüssigkeit, und das mag einen Einfluss gehabt haben. Seine Werte sind über dem Limit, aber nicht um viel.“