Jorge Lorenzo gibt zu, dass er über das Angebot eines konkurrenzfähigen MotoGP-Teams nachdenken würde – bisher hat er aber offenbar noch keinen Anruf erhalten.

Um Jorge Lorenzo ranken sich in jüngster Zeit wieder Gerüchte und Spekulationen. Strebt der dreimalige MotoGP-Weltmeister im kommenden Jahr ein Comeback an? Als Yamaha-Edeltester konnte er wegen der Corona-Krise kaum fahren. Und geplante Wildcard-Einsätze mussten gestrichen werden. Doch wie konkret ist für ihn ein echtes Comeback? Ausschließen will der Spanier das nicht.

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„Im Moment bin ich sehr glücklich. Denn ich kann Dinge tun, die ich als Rennfahrer nicht machen konnte. Ich kann aber nicht bestreiten, dass mir das Gefühl des Siegens fehlt“, sagt Lorenzo bei ‚MotoGP.com‘. Und heizt damit die Gerüchte um seine Zukunft weiter an.

„Wenn ich einen Anruf bekomme wegen eines Pakets, mit dem ich um die WM kämpfen könnte, werde ich mir das anhören. Denn Siege motivieren mich. Wenn sich diese Chance für mich bietet, dann werde ich darüber nachdenken.“

„Ich glaube, dass ich noch immer die WM gewinnen kann“

„Ich glaube, dass ich mit 33 Jahren und den richtigen Tools immer noch die Weltmeisterschaft gewinnen kann. Bisher habe ich diesen Anruf nicht bekommen. Doch sollte das passieren, werde ich mir das anhören.“

„Aktuell gäbe es nur zwei Möglichkeiten. Yamaha, wo schon fast alle Fahrer feststehen, und Ducati. Andere Optionen gibt es nicht. Aber selbst wenn das nicht passiert, bin ich sehr glücklich mit meinem Leben.“

Vor allem über ein Comeback zu Ducati wird seit Wochen spekuliert. Zwar gehen die Italiener weiterhin davon aus, den Vertrag mit Andrea Dovizioso zu verlängern. Doch Mastermind Gigi Dall’Igna räumte erst kützlich ein, dass die Gespräche mit „Dovi“ ins Stocken geraten sind.

Jorge Lorenzo: Gerüchte um Ducati-Comeback

Dovizioso müsste wegen der Wirtschaftskrise deutliche Gehalts-Einbußen akzeptieren. Dessen Manager Simone Battistella glaubt zwar an eine rasche Einigung, laut Dall’Igna könnte das aber auch noch dauern. Mit Lorenzo hätte man eventuell eine Alternative in der Hinterhand.

„Ich habe eine sehr gute Beziehung zu Gigi“, sagt Lorenzo. „Wir haben in der 125er-Klasse mit Derbi Rennen gewonnen. Und dazu zwei WM-Titel in der 250er-Klasse. Wir haben gegenseitig großes Vertrauen. Es ist eine menschliche Beziehung.“

„Er hat mich zu meinem Geburtstag angerufen. Wir haben viel über das Leben und die Familie gesprochen. Aber wir haben nicht über berufliche Dinge gesprochen.“ Lorenzo feierte am 4. Mai seinen 33. Geburtstag. Der gute Draht zu Dall’Igna ist seit der Trennung nie abgerissen.

Ob Lorenzo im nächsten Jahr weiter als Yamaha-Testfahrer arbeiten wird, ist derzeit offen. Laut eigener Aussage würde er gerne bei Yamaha bleiben, denn bislang konnte er 2020 nur zwei Tage testen. Und bei Wildcard-Rennen wollte der Spanier eigentlich überprüfen, wie konkurrenzfähig er noch ist.

Lorenzo genießt das Leben als MotoGP-Rentner

Derzeit genießt der Spanier, der in Lugano in der italienischen Schweiz lebt, sein Leben als „Rentner“. Die Entscheidung für das (vorläufige) Karriere-Ende hält er nach wie vor für den richtigen Entschluss.

„Es gab Verletzungen und man riskiert sein Leben in diesem Sport. Dazu kommen Spannungen und Druck. Wir können damit umgehen, weil wir Sieger-Typen sind. Und weil wir gewinnen und zeigen wollen, dass wir die Besten sind.“

„Wenn es die Möglichkeit gibt, das Leben zu genießen, ohne um 7:00 Uhr aufstehen zu müssen, dann ist diese Verlockung natürlich groß. Wenn man konkurrenzfähig ist, sich auf dem Motorrad gut fühlt, Rennen gewinnen und um die WM kämpfen kann, dann ist es der Aufwand wert. Ansonsten nicht.“

„Das heißt aber nicht, dass man nicht das Gefühl vermisst, Rennen zu gewinnen und mit dem Team zu feiern. Diese magischen Momente vermisse ich sehr. Es ist sehr schwierig, das woanders im Leben zu finden“, gibt Lorenzo abschließend zu.