Nach zwei ähnlichen Unfällen findet Miguel Oliveira, dass sich Pol Espargaro hinterfragen sollte: „Er schaut nie, ob jemand innen kommt.“

Nichts wurde es beim ersten MotoGP-Rennen in Spielberg mit einem Heimsieg von KTM. Knapp vor Halbzeit des neu gestarteten Rennens duellierten sich Pol Espargaro und Miguel Oliveira um Platz fünf. In Kurve 4 kam es zu einem Missverständnis und einer Kollision. Beide stürzten und waren ausgeschieden.

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Als Oliveira zurück in der Tech-3-Box war, konnte man ihm seinen Ärger ansehen. Schon in Jerez hatte ihn Brad Binder beim Start durch eine Kollision aus dem Rennen genommen. Dort war Oliveira von Startplatz fünf losgefahren.

„Wir wissen, dass es ein Rennunfall ist. Es ist aber die Tendenz von Pol, dass er nicht nach innen blickt“, sagt Oliveira seine Meinung. „In Brünn haben wir den Zwischenfall mit Johann gesehen. Ich bin aber nicht hier, um ihn zu beschuldigen.“

Miguel Oliveira: Espargaro sollte seine Einstellung hinterfragen

Pol Espargaro und Miguel Oliveira haben sich nach dem Rennen über die Situation unterhalten. „Er hat gesagt, dass er mich nicht gesehen hat“, setzt Oliveira fort. „Ich habe ihn auch nicht gesehen, aber ich war innen. Das ist normal.“

„In meiner gesamten Karriere habe ich den Rennsport so verstanden, dass man eine Lücke auf der Innenseite ausnutzen muss. Das ist die prinzipielle Regel des Wettbewerbs. Wenn jemand von der Linie abkommt, dann stößt man in diese Lücke hinein.“

„Wenn man als Fahrer eine Lücke sieht, dann versucht man zu überholen. Er hat mich offensichtlich nicht gesehen, sonst wären wir nicht gestürzt. Der Sturz ist passiert, weil ich seitlich und hinten einen Schlag bekommen habe. Deswegen ist das Vorderrad eingeklappt.“

„Wenn ich von der Linie abkomme, dann achte ich darauf, ob jemand innen ist. Denn irgendwann werden sich die beiden Linien kreuzen. Das ist nicht so schwer zu verstehen. Pol hat nicht geschaut. Es ist einfach nur frustrierend.“

Auch wenn Miguel Oliveira es als Rennzwischenfall sieht, findet er doch kritische Worte in Richtung Espargaro: „Wenn ich Pol wäre und zwei ähnliche Zwischenfälle gehabt hätte, dann würde ich mich hinterfragen, ob ich die richtige Einstellung zum Rennsport habe. Momentan ist das fragwürdig.“

Warum Espargaro nach dem Neustart langsamer war

Schlussendlich hat es beiden Fahrern und eben auch KTM ein Spitzenergebnis gekostet. Espargaro war ebenso enttäuscht und sieht die Kollision als Rennunfall: „Miguel war in dieser Kurve auch etwas weit. Ich habe auf der Außenseite das Gas aufgedreht und er innen.“

„Er hat mich nicht gesehen, ich habe ihn nicht gesehen. Somit sind wir kollidiert. Ein Rennzwischenfall“, findet der Spanier. „Ich war schon auf der weißen Linie und konnte nichts machen.“

„Ich kenne Miguel. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Er denkt bei jedem Manöver nach und war sich sicher, dass er hier überholen konnte.“ Am nächsten Wochenende haben beide die Chance, es besser zu machen.

Bis zum Rennabbruch hatte Espargaro den Grand Prix angeführt. Nach dem Neustart war er nicht mehr ganz so konkurrenzfähig. Warum nicht? „Ich war schwächer, weil wir keinen Medium-Hinterreifen mehr hatten. Das war unser Fehler. Wir hatten keinen Rennabbruch erwartet.“

Espargaro musste mit dem weichen Hinterreifen fahren. Bester KTM-Fahrer im Ziel war schließlich Brünn-Sieger Brad Binder als Vierter. Und Iker Lecuona schaffte es als Neunter in die Top 10.

Das Rennen der MotoGP: Grand Prix of Austria