Aleix Espargaro war erneut die Aprilia-Speerspitze, stürzte aber oft. Technik-Direktor Romano Albesiano erkennt, dass sich der Spanier zu viel Druck gemacht hat.

Aleix Espargaro wurde seiner Rolle als Aprilia-Teamleader auch in der abgelaufenen Saison gerecht. Der Spanier war konstant der schnellste Aprilia-Pilot. In der Fahrerwertung kam Espargaro aber nicht über die 17. Position hinaus. Schuld daran waren eine Reihe von Stürzen. Zwölf Mal landete Espargaro im Kiesbett. Nur Johann Zarco (15 Stürze) und Alex Marquez (14 Stürze) landeten noch öfter im Kies.

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„Er ging mit hohen Erwartungen in die Saison. Vielleicht waren es zu hohe Erwartungen. Deshalb setzte er sich selbst zusätzlich unter Druck. Er machte mehr Fehler als erwartet“, kommentiert Aprilia-Rennleiter Romano Albesiano bei ‚MotoGP.com‘. „Das ist Teil des Spiels. Er ist unglaublich. Wir lieben ihn, weil er so schnell ist und immer sehr motiviert ist.“

„Aleix ist unser Topfahrer. Er ist unglaublich schnell und kann aus der Maschine 100 Prozent herausholen. Er ist unsere Referenz“, stellt der Aprilia-Technikdirektor klar. Durch die Doping-Sperre von Andrea Iannone musste Aprilia vor dem Saisonstart improvisieren. Bradley Smith übernahm die RS-GP, wurde bei den finalen Rennen aber durch Lorenzo Savadori ersetzt.

Aprilia: Smith durch Savadori ersetzt

„Bradley musste als Ersatz für Andrea einspringen. Er musste gleichzeitig als Testfahrer agieren. Deshalb war es nicht einfach für ihn. Doch er schlug sich gut“, lobt Albesiano die Saison des Briten. „Er trug stark dazu bei, das Motorrad zu entwickeln. Seine Leistungen waren oft an denen von Aleix dran. Das bedeutet sehr viel. Wir sind sehr zufrieden mit seinen Leistungen.“

„Am Ende der Saison trafen wir die Entscheidung, Lorenzo eine Chance zu bieten. Er zeigte in der Italienischen Meisterschaft sehr gute Leistungen. Er lieferte fantastische Arbeit ab. Es war nichts gegen Bradley. Wir wollten Lorenzo die Chance bieten, sich zu steigern und sich weiter zu entwickeln, damit er in der Zukunft für die Tests und vielleicht auch Rennen gerüstet ist“, begründet der Aprilia-Rennleiter die Entscheidung, Smith durch Savadori zu ersetzen.

Aprilia RS-GP 2021: Neuer Motor und mehr Abtrieb durch neues Aero-Paket

Aprilia präsentierte für die MotoGP-Saison 2020 ein komplett neues Motorrad. Nach vielen Jahren mit dem 75-Grad-V4-Motor wechselte Aprilia zu einem V4-Motor mit einem Zylinderwinkel von 90 Grad, wie er auch von der Konkurrenz verwendet wird. Bereits bei den Wintertests zeichnete sich ab, dass die 2020er-Aprilia Potenzial hat.

Doch Aprilia konnte durch die eingefrorene Entwicklung nicht im Laufe der Saison an Fortschritten arbeiten. Diese sollen 2021 folgen. Die Italiener planen, den Motor weiter zu verbessern und die Aerodynamik zu verfeinern. Das 2021er-Aero-Paket soll mehr Abtrieb liefern und dadurch die Wheelie-Neigung reduzieren.

Technikdirektor Romano Albesiano ist überzeugt, dass Aprilia durch die Coronavirus-Situation härter getroffen wurde als die Mitbewerber: „Es hat uns stark betroffen, denn Mitte der vergangenen Saison trafen wir die Entscheidung, ein brandneues Motorrad zu entwerfen. Der Plan war, mit einem nicht fertig entwickelten Projekt in die Saison zu starten und es dann im Laufe des Jahres zu entwickeln.“

„Die Entwicklung der Motoren und die der Aerodynamik waren eingefroren. Wir mussten also mit einem sehr jungen Entwicklungsstand die komplette Saison absolvieren. Abgesehen davon waren unsere Leistungen gut. Wir reduzierten deutlich den Rückstand auf die Spitze. Wir waren mehr oder weniger 50 Prozent näher dran“, zeigt sich Albesiano zufrieden.

Albesiano: „Besser als die Vorgängermaschine“

„Das Motorrad war von Beginn an besser als die Vorgängermaschine. Das trifft auch auf Bereiche zu, von denen wir das nicht erwartet hatten“, freut sich der Aprilia-Verantwortliche, der für 2021 sehr optimistisch ist.

„Zuhause haben wir einen zu 50 Prozent neuen Motor für die kommende Saison entwickelt. Dieser Motor funktioniert bereits sehr gut auf dem Prüfstand. Wir freuen uns, diese Neuerung auf die Strecke zu bringen“, erklärt Albesiano.

„Aerodynamisch mussten wir mit einer Konfiguration arbeiten, die sehr wenig Abtrieb erzeugte. In der kommenden Saison können wir eine besser ausbalancierte Aerodynamik-Konfiguration verwenden. Diese sollte uns Vorteile bieten“, prophezeit der Technikdirektor des Aprilia-Teams.

Weniger Handlungsbedarf sieht Albesiano beim Fahrwerk. „Aleix (Espargaro) berichtet, dass unser Motorrad beim Handling keine Defizite hat und manchmal sogar besser ist als das der Gegner. Wir müssen den Motor verbessern und die Wheelie-Neigung reduzieren. Wenn wir dann noch die Reifen und den Umgang damit besser verstehen, dann sollten wir eine sehr gute Saison haben und sehr nah an den Spitzenfahrern dran sein“, so der Aprilia-Technikdirektor.