LCR-Honda-Boss Lucio Cecchinello glaubt, dass sich Piloten wie Valentino Rossi und Cal Crutchlow in der aktuellen Situation eher gegen einen Rücktritt entscheiden.

Nicht nur Valentino Rossi (Yamaha) nennt mit Blick auf die Vertrags-Verhandlungen für 2021/22 einen Rücktritt aus der MotoGP als mögliche Alternative. Auch Andrea Dovizioso (Ducati) und Cal Crutchlow (LCR-Honda) schlossen diese Option zum Ende der aktuellen Saison für sich nicht aus.

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Doch mit der durch das Coronavirus bedingten Zwangspause könnte sich das ändern, glaubt LCR-Honda-Teamchef Lucio Cecchinello. Schließlich erleben alle momentan die wahrscheinlich längste Fahrpause seit Beginn ihrer Renn-Karriere. Und erhalten so eine viel klarere Vorstellung von einem Leben ohne MotoGP-Rennen.

„Ich denke, dass diese Pause dazu dienen kann, die Batterien überhaupt ein wenig aufzuladen. Vor allem für die Piloten, die vielleicht darüber nachgedacht haben, mit dem Rennsport aufzuhören“, sagt Cecchinello im Gespräch mit ‚Sky Sport Italia‘.

Cecchinello rechnet mit Rossi-Verlängerung

Der Teammanager glaubt: „Dieser Moment kann sie zum Nachdenken anregen. Denn er macht ihnen klar, wie groß die Langeweile ohne das Motorrad sein kann. Wenn man nur zu Hause ist und nichts tut. Ich schließe nicht aus, dass Valentino Rossi um eine einjährige Verlängerung bei Yamaha bitten wird.“

Für Cecchinello ist es in der aktuellen Situation also wahrscheinlicher, dass sich Fahrer wie Rossi oder auch Crutchlow eher dazu entschließen werden, doch weiterzumachen. „Mit Cal hatten wir uns zum Ziel gesetzt, die ersten drei, vier Rennen abzuwarten und dann eine Bewertung vorzunehmen“, verrät er.

„Nicht nur um zu verstehen, ob er noch Rennen fahren will. Sondern auch, ob Honda zur Unterstützung seines Projekts zur Verfügung steht.“ Denn Crutchlow fährt mit einem direkten Werksvertrag. „Er hat bereits Kontakt zu Honda aufgenommen. Und ich hoffe, bald von Ihnen zu hören“, blickt Cecchinello voraus.

Wann wird die MotoGP-Saison 2020 starten?

Mit seinem zweiten Fahrer Takaaki Nakagami peilt er eine Vertrags-Verlängerung an. „Ich denke, er wird mit unserem Team weitermachen, unterstützt vom HRC-Projekt. Alles, was derzeit geschieht, hilft nicht gerade den großen Marktbewegungen. Und es gibt auch keine Motivation, funktionierende Projekte zu ändern.“

Die große Frage aber ist, wann es mit dem Rennbetrieb überhaupt weitergehen kann. Illusionen macht sich dahingehend kaum noch jemand. Laut Cecchinello wäre es positiv, „wenn wir Ende Juni oder Anfang Juli starten könnten“.

„Es ist wichtig für uns, mindestens die Hälfte der Meisterschaft zu absolvieren. Was die Zeit betrifft denke ich, wenn wir im Juli wieder in die Spur kommen könnten, wären zwölf bis 14 Rennen möglich“, prognostiziert der LCR-Honda-Chef. Dabei hat er auch den finanziellen Aspekt und die Sponsoren im Hinterkopf.

LCR-Honda: Müssen Finanzierung neu planen

„Es ist ein allgemeines Problem. Aber ich will sagen, dass die Schwierigkeit, ein Team zu leiten, heute gleich Null ist im Vergleich zu der gesundheitlichen Krise, die die Italiener und die ganze Welt erleben. Wir interagieren mit unseren Kunden und sind uns einig, dass alles neu geplant wird, wenn wir ein Datum haben.“

Das gilt auch für die Partnerschaft mit Honda. Gemeinsam habe man bereits einige schwierige Momente durchlebt. „Wie die Wirtschaftskrise im Jahr 2009“, erinnert sich Cecchinello. „Dieses Mal ist es genauso schwer, wenn nicht noch schwieriger. Aber die Unterstützung und das Verständnis ihrerseits sind groß.“