Erst Rücktritt, dann Renn-Comeback: MotoGP-Champion Marc Marquez kann sich über den Wildcard-Start von Ex-Teamkollege Jorge Lorenzo in Barcelona nur wundern.

Letztes Jahr sicherte sich Marc Marquez beim Großen Preis von Thailand seinen achten WM-Titel. 2020 hätte das Rennen bereits am Wochenende stattfinden sollen, wurde wegen der Corona-Krise aber verschoben. Für Marquez Gelegenheit, um in Erinnerungen an damals zu schwelgen.

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Der MotoGP-Dominator durchlebte seinen WM-Triumph als Co-Kommentator bei einem Streaming-Dienst noch einmal. Und verriet dabei auch, wie es ihm in häuslicher Isolation geht. Schließlich herrscht in Spanien seit geraumer Zeit eine Ausgangssperre.

„Es ist wirklich schwierig. Gelegentlich leiht mir mein Bruder die Hunde und ich gehe spazieren. Aber ich muss verantwortungsbewusst sein und zu Hause bleiben. Ich nutzte die Gelegenheit, um mein Zimmer zu renovieren“, erzählt der 27-Jährige, der sich im Haus der Familie in Cervera aufhält.

Marquez: „Die wahren Helden sind die Ärzte“

Wie jeder andere sieht sich der Honda-Star in der Verantwortung, seinen Teil zur Eindämmung des Virus beizutragen. „Dies ist auch eine Lektion im Leben für uns alle. All das wird uns viel mehr vereinen“, hofft der MotoGP-Weltmeister. „Die wahren Helden sind die Ärzte. Wir werden sie in Zukunft viel mehr schätzen.“

Neben der aktuellen Krisen-Lage kam Marquez aber auch auf die vergangene und die aktuelle MotoGP-Saison zu sprechen. In dieser tritt wider Erwarten auch Jorge Lorenzo wieder in Erscheinung, nachdem er 2019 eigentlich zurückgetreten war.

„Wie alle war ich von dieser Nachricht überrascht, als sie am Donnerstag in Valencia publik wurde“, erinnert sich Marquez an das letztjährige Saison-Finale. „Ja, es ist wahr, dass Jorge es schwer hatte, sich an die Honda zu gewöhnen. Abgesehen von den Verletzungen, die ihm nicht gerade geholfen haben.“

Lorenzo-Wildcard nach Rücktritt verwunderlich

Damals erklärte Lorenzo seinen Rückzug auch damit, Angst zu haben, sich erneut zu verletzen. „Er zog sich zurück, weil er seiner Meinung nach Angst entwickelt hatte – er hatte diesen Respekt. Aber vielleicht lag es am Motorrad, auf dem er saß“, mutmaßt Marquez. Denn wie sonst ließe sich sein Comeback bei Yamaha deuten?

Dort heuerte Lorenzo Anfang dieses Jahres als Testfahrer an. Wenig später bestätigte er einen Wildcard-Start beim Großen Preis von Katalonien in Barcelona im Juni. Für seinen ehemaligen Teamkollegen bei Honda lässt das nur einen Schluss zu.

„Wenn er jetzt in der Lage ist, auf ein anderes Bike zu steigen und eine Wildcard zu nutzen, wie er es angekündigt hat, dann hat er keine Angst vor dem Sport. Vielleicht hatte er Angst vor dem Motorrad. Oder er hat es nicht zu Ende verstanden“, bewertet Marquez die Situation in Bezug auf Lorenzos Comeback.

Quartararo aus Marquez‘ Sicht ein Titel-Aspirant

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen wird in diesem Jahr Fabio Quartararo, da ist sich der Weltmeister sicher. „Es wird immer schwieriger, ihn zu schlagen“, unterstreicht Marquez, der sich dem Franzosen schon 2019 gleich mehrfach hatte erwehren müssen.

„Zu Beginn verlor er aufgrund seiner mangelnden Erfahrung einige Duelle. Aber er lernt und wird sicherlich im Jahr 2020, wenn wir wieder an den Start gehen, einer derjenigen sein, die es zu schlagen gilt. Er hat noch nicht gewonnen, aber er hat schon viel gezeigt“, analysiert er Quartararos starke Rookie-Saison.

Was seine eigene Form angeht, gibt Marquez zu, dass es schwierig werden dürfte, 2019 zu übertreffen. „Ich habe viel gewonnen und nur einen Nuller gehabt. Aber dafür sind wir hier, um diese Saison zu wiederholen oder zu verbessern. Mein Ziel ist immer dasselbe: Für den Titel zu kämpfen und als Pilot und Mensch zu wachsen.“