Erstmals seit April 2019 stand Valentino Rossi wieder am Podest. An der Flaute soll laut dem Dottore auch Yamaha schuld sein.

Zum ersten Mal seit dem Frühjahr 2019 erzielte Valentino Rossi in einem MotoGP-Rennen wieder einen Podestplatz – und das in einem der wohl härtesten Grands Prix seit langem. Bei Asphalttemperaturen von bis zu 60 Grad. Hinter Rennsieger Fabio Quartararo und Teamkollege Maverick Vinales wurde der 41-Jährige Dritter.

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Schon zu Beginn des zweiten MotoGP-Wochenendes in Jerez schien Rossi deutlich besser zurechtzukommen als zuletzt. Das war in erster Linie auf umfangreiche Set-up-Änderungen an seiner Yamaha M1 zurückzuführen. „Wir haben das Setting des Motorrads ab Freitag stark verändert“, erklärt Rossi und kritisiert Yamaha.

„Leider mussten wir viel Druck auf Yamaha ausüben, weil sie das nicht wollten. Aber ab Freitagmorgen fühlte ich mich besser. Sicherlich ist es sehr schwierig, denn es gibt viele Fahrer, die stark sind, aber an diesem Wochenende fuhr ich mein Motorrad.“

Rossi kämpfte lange mit demselben Problem

Das sei noch am vergangenen Sonntag nicht der Fall gewesen, wie Rossi betont: „Manchmal hast du Probleme, die politisch begründet sind. Zusammen mit meinem Team mussten wir hart daran arbeiten, mein Setting ändern zu können, denn das Motorrad, das ich bis zum vergangenen Sonntag benutzt habe, war nicht meins. Ich fühlte mich damit einfach nicht gut, besonders in den Kurven.“

Ein Problem, mit dem sich der Italiener bereits seit geraumer Zeit herumschlägt. „In den vergangenen Jahren hat Yamaha mit den Michelin-Reifen unter einem starken Abbau am Hinterrad gelitten“, erinnert sich Rossi. „Ende 2018 veränderten sie deshalb die Balance des Motorrads, um den Reifen besser zu schonen.“

„Für mich hat das nur am Anfang funktioniert, ich bin zweimal aufs Podium gefahren. Aber das Reifenproblem bestand weiterhin. Zudem war ich nicht in der Lage, mit dem Motorrad schnell zu sein, weil es sich völlig anders anfühlte, insbesondere am Kurveneingang.“

Yamaha-Ingenieure schwer umzustimmen

Folglich quälte sich Rossi mehr schlecht als recht durch die Saison. Offenbar auch, weil sich Yamaha lange dagegen sträubte, die M1 auf seine Wünsche anzupassen. „Wenn man dasselbe Motorrad fährt und es gibt Fahrer wie Fabio und Maverick, die so schnell sind, denkt Yamaha, dass ich wie sie fahren muss“, erklärt Rossi.

„Aber sie müssen auch mich unterstützen, denn ich fahre im Werksteam und nächstes Jahr mit Petronas. Insofern müssen sie Vertrauen in mich setzen. Vielleicht bin ich nicht der Schnellste auf der Strecke, aber kann gute Rennen fahren“, betont der 41-Jährige.

Das scheint nun auch Yamaha verstanden zu haben. Teammanager Lin Jarvis gibt zu: „Die Meinung japanischer Ingenieure zu ändern, ist manchmal gar nicht so einfach, denn wir haben viele Daten und viele Informationen, und die anderen Jungs sind schnell unterwegs. Warum also in diese andere Richtung gehen? Aber Valentino hat offensichtlich viel Erfahrung. Er weiß, was für ihn funktioniert.“

„Vielleicht sollten wir zu Hause bleiben?“

Dass er jetzt wieder auf einem Motorrad sitzt, mit dem er schnell unterwegs sein kann, hat er auch der Beharrlichkeit seiner Crew zu verdanken. „In diesem Jahr sind wir in der Box stärker und geben nicht auf. Mit David Munoz, unserem Crew-Chef, und der gesamten Mannschaft haben wir Druck gemacht“, sagt Rossi.

In dem Zusammenhang verrät er auch, wie groß die Frustration bei allen war: „Nach Rennen wie letzte Woche oder Valencia oder Aragon, wo ich sehr schlecht war, schauten wir uns an und uns fehlten die Worte. Wir dachten, vielleicht sollten wir zu Hause bleiben…“

Und weil er sich bereits vor dem ersten Rennen entschieden hatte, im nächsten Jahr weiterzumachen – mit Yamaha -, wurden die Sorgen nur noch größer. Doch umso süßer schmeckt nun der dritte Platz, der sich für Rossi „fast wie ein Sieg“ anfühlt. „Dass ich ihn hier bei dieser Hitze erzielt habe, stimmt mich optimistisch, auch weil Jerez eine Strecke ist, auf der ich in den letzten Jahren oft gelitten habe.“

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„Ein guter Kampf“ mit Teamkollege Vinales

Gegen Rennsieger Quartararo hatte Rossi zwar keine Chance, konnte aber seinen Teamkollegen Vinales lange in Schach halten und musste sich ihm erst spät im Rennen geschlagen geben. „Ich habe versucht, bis zum Schluss vor Maverick zu bleiben. Aber mir ist ein Fehler passiert“, rekapituliert er den Zweikampf in der Schlussphase.

„Ich versuchte, ihn in Kurve 9 zu blockieren, denn ich konnte ihn kommen hören. Letztlich war er etwas schneller als ich. Insofern verdient er Platz zwei, aber es war ein guter Kampf.“ Das Feiern am Streckenrand ließ sich der „Doktor“ auch ohne Fans nicht nehmen.

„Ich wollte all die Leute zu Hause grüßen. Es war seltsam, die leeren Tribünen zu sehen. Aber es hat Spaß gemacht“, erklärt Rossi. Gegen Yamaha hegt er trotz seiner Kritik keinen Groll. „Wir haben eine gute Beziehung. Ich bin im Herzen ein Yamaha-Fahrer und habe eine großartige Geschichte mit diesem Hersteller. Ich wollte einfach nur etwas Druck aufbauen nach diesem guten Ergebnis.“ (lacht)

Und auch Teammanager Jarvis betont: „Er hat Druck gemacht, wir haben akzeptiert und die Änderung vorgenommen. Ich würde nicht sagen, dass damit alle seine Probleme gelöst sind, aber er fühlt sich viel wohler und kann besser fahren. Das ist ein Teil dessen, was Fahrer tun müssen: In der Box und auf der Strecke pushen.“