Andere MotoGP-Piloten können verstehen, dass Marc Marquez nach seiner ersten Operation ein Comeback versucht hat: „Wenn die Ärzte ihr O.k. geben, dann fahren wir“, sagt einer.

Marc Marquez muss noch einige Wochen pausieren. Und derzeit ist ungewiss, ob er in der MotoGP-Saison 2020 überhaupt noch ein Rennen bestreiten wird. „Er ist derzeit der beste Fahrer“, sagt Pol Espargaro. „Wenn er nicht dabei ist, können wir unsere Performance nicht mit ihm vergleichen. Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung, damit er bald wieder fahren kann.“

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Dass Marquez wenige Tage nach der ersten Operation des gebrochenen rechten Oberarms in Jerez 2 ein Comeback versucht hat, sorgte auch für kritische Stimmen. War das Risiko zu groß? Hätte er länger warten sollen? Schließlich wurde eine zweite Operation nötig.

Marquez selbst gab zwar zu, dass seine Ärzte die Situation falsch eingeschätzt haben. Aber für zu groß hielt er das Risiko nicht. Hätte er für Jerez 2 pausiert und es dann in Brünn oder Spielberg probiert, wäre das Risiko demnach gleich gewesen.

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Zurück aufs Bike – und das so schnell wie möglich

Wie sehen das seine Fahrer-Kollegen? „Es ist sehr schwierig“, meint Takaaki Nakagami. „Nach einer Verletzung denken wir immer daran, so schnell wie möglich wieder fahren zu können. Es hängt von der Verletzung ab.“ Der Japaner wurde im letzten Herbst an der Schulter operiert.

„Ein MotoGP-Bike zu fahren, ist eine Belastung für den Körper. Wenn die Ärzte sagen, dass du o.k. bist, dann entscheidet der Fahrer“, so Nakagami weiter. „Wenn man Schmerzen hat, aber das Potenzial vorhanden ist, dann fahren wir weiter. Es ist 50:50. Eine schwierige Entscheidung, die von der Verletzung abhängt.“

Marquez probierte es in Jerez 2 zwar im Samstags-Training, warf dann aber das Handtuch. Er hatte gemerkt, dass ihm die Kraft und die Kontrolle fehlte. Letztendlich war der Rückzug seine Entscheidung gewesen.

Pol Espargaro: „Wenn die Ärzte das O.k. geben…“

„Er hatte das O.k. von den Ärzten erhalten“, sagt Espargaro. Und bemüht einen Vergleich: „Wenn mein Mechaniker sagt, dass mein Motorrad für das Rennen bereit ist, dann gebe ich alles. Wenn Dir die Ärzte sagen, dass Du fahren kannst, dann fährst Du. Das ist normal.“

„Wir Fahrer wollen immer so bald wie möglich wieder fahren. Wir vertrauen den Leuten, die sich um uns kümmern. Er hat diese Entscheidung getroffen. Wenn ich mich gut fühle, würde ich wahrscheinlich das gleiche tun wie er.“

Die meisten Fahrer hatten in ihrer Karriere schon mit Verletzungen zu tun. Johann Zarco erlebte das jüngst zum ersten Mal. Bei seinem schweren Unfall im ersten Spielberg-Rennen zog er sich einen kleinen Bruch in der rechten Hand zu.

Am Mittwoch zwischen den beiden Österreich-GPs wurde er operiert und der Knochen mit einer kleinen Schraube fixiert. Zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere musste Zarco damit ein Renn-Wochenende mit einer Verletzung und Schmerzen in Angriff nehmen.

„Marquez‘ Schmerzen will ich mir nicht vorstellen“

„Diese Situation muss für Marc sehr schwierig sein. Ich hatte jetzt meine erste Operation, die im Vergleich zu ihm eine sehr kleine war“, sagt der Franzose. „Meine Ärzte hätten auch einen Fehler machen können. Aber es war nicht die gleiche Operation.“

„Ich kann verstehen, dass er in Jerez wieder aufs Motorrad gestiegen ist. Die Ärzte haben ihn für fit erklärt, aber das war ein Fehler. Es war eine große Operation. Ich weiß nicht, welche Auswirkungen es auf den Arm hatte, dass er in Jerez gefahren ist.“

„Ich will mir seine Schmerzen gar nicht vorstellen. Er hat einen körperlichen Test gemacht, aber Marc ist ein Krieger. Selbst wenn man ihm einen Arm abnehmen würde, würde er Liegestütze machen und versuchen zu fahren.“

Bis zu 40 Liegestütze musste Marquez absolvieren, ehe die Ärzte in Jerez grünes Licht für sein Comeback gaben. „Es ist schwierig für die Ärzte, wenn ihnen der Fahrer seine Motivation zeigt und die Möglichkeit besteht, es zu schaffen“, findet Zarco.

Rossi denkt an seine Verletzungen zurück

Für Marquez ist es die längste Verletzungs-Pause seit dem Herbst 2011, als er nach einem Sturz Sichtprobleme hatte. Wie sich der Weltmeister aktuell fühlen muss, kann Valentino Rossi nachvollziehen. Auch er hatte schon mehrfach mit Verletzungen zu kämpfen.

„Natürlich ist das frustrierend“, sagt Rossi, und blickt zurück: „2010 gewann ich das erste Rennen in Katar. Und es sah so aus, als könnte ich gegen Lorenzo um den Titel kämpfen. Doch dann verletzte ich mich beim Motocross-Training an der Schulter.“

„Das hat mich auf dem Bike stark beeinträchtigt. Ich musste viele Schmerzmittel nehmen, und die Situation war wirklich kritisch. Dann kam Mugello, und ich brach mir im Training das Bein. Es war eine schlimme Fraktur.“

Rossi verpasste im Frühsommer 2010 vier Rennen. „Ab dem Zeitpunkt habe ich nur noch über meine Genesung nachgedacht. Denn ich wusste, dass es vorbei war. Ich versuchte also, ruhig zu bleiben und so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus nach Hause zu kommen.“

„Dort habe ich es mir auf dem Sofa gemütlich gemacht und die Rennen im TV verfolgt. Außerdem habe ich damals die Fußball-WM geschaut. Es ging einfach darum, die Füße still zu halten.“ In genau dieser Situation befindet sich derzeit auch Marc Marquez.