Wie Valentino Rossi Fabio Quartararo als seinen Nachfolger beim Yamaha-Werksteam einschätzt – und warum ein alter Rossi-Vertrauter von der Entscheidung überrascht wurde.

Am Mittwoch vergangener Woche machte Yamaha Nägel mit Köpfen. Einen Tag, nachdem Maverick Vinales für zwei weitere Jahre im MotoGP-Werksteam bestätigt worden war, verkündeten die Japaner, dass Fabio Quartararo ab 2021 für zwei Jahre Vinales‘ Teamkollege werden wird. Die Folge: Valentino Rossi fährt 2020 seine letzte Saison im Yamaha-Werksteam.

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Anlässlich der Petronas-Yamaha-Präsentation 2020, die am Donnerstag in Sepang über die Bühne ging, spricht Quartararo mit Blick auf die Jahre 2021/22 von einem „sehr wichtigen Schritt für meine Karriere“. Und fügt an: „Ich bin sehr froh, dass ich es vorige Woche verkünden durfte. Jetzt habe ich Klarheit für die Zukunft.“

„Ich kenne das Bike schon aus dem letzten Jahr und kann mich jetzt drei Jahre lang voll auf das Thema Yamaha konzentrieren“, stellt der 20-jährige Franzose die Vorzüge der Entscheidung heraus, die ihn bis Ende 2022 an Yamaha bindet.

In der bevorstehenden Saison 2020 erhält Quartararo im Petronas-Team eine M1, die dem aktuellen technischen Stand entspricht. Der Franzose hat damit identisches Material zur Verfügung wie die beiden Werks-Piloten Rossi und Vinales. Dagegen muss Quartararos Teamkollege Franco Morbidelli technische Abstriche in Kauf nehmen.

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Quartararo: „Noch ersetze ich ihn nicht“

Was sagt Rossi dazu, dass Quartararo im Yamaha-Werksteam das Bike übernehmen wird, dass der Altmeister selbst seit 2013 fährt? Er reagiert mit Verständnis: „Ich denke, Yamaha hat die richtige Entscheidung getroffen. Denn Quartararo hat voriges Jahr alle überrascht.“

„Ich glaube, die Leute im Fahrerlager wussten, dass Quartararo konkurrenzfähig sein könnte“, so Rossi weiter. „Aber nicht derart – ich glaube, das war mehr oder weniger für alle eine Überraschung. Er ist sehr sehr jung und sehr stark. Deshalb denke ich, dass es die richtige Entscheidung ist.“

Und was sagt Quartararo selbst dazu, dass er von Yamaha als Rossi-Nachfolger auserkoren wurde? „Noch ersetze ich ihn ja nicht. Er ist ja noch nicht zurückgetreten. Also kann man nicht jetzt schon sagen, dass ich seinen Platz übernehmen würde.“

Derweil gesteht Rossi am Donnerstag in Sepang, als auch das Yamaha-Werksteam seine 2020er-Präsentation abhielt: „Ich wollte nicht auf Gedeih und Verderb auf meinem Platz im Werksteam bestehen, um dann womöglich nicht konkurrenzfähig zu sein. Das wäre das Schlimmste, vor allem für mich selbst.“

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„Seit Oktober im Kopf“: Rossi offenbar nicht überrascht

Und so offenbart der „Doctor“ mit Blick auf die am Mittwoch letzter Woche verkündete Entscheidung, wonach er ab 2021 für Quartararo Platz machen muss: „Überrascht war ich nicht. Ehrlich gesagt hatte ich das schon seit Oktober im Kopf. Ich erinnere mich da vor allem an Thailand“, geht Rossi ins Detail. Und nennt den Anlass für seine damaligen Gedanken gleich mit: „Quartararos Performance veränderte sich.“

Damit bezieht sich der Italiener auf die starken Leistungen des jungen Franzosen, der bei besagtem Rennen in Buriram denkbar knapp an seinem Premieren-Sieg in der MotoGP vorbeischrammte. Honda-Pilot Marc Marquez schnappte ihm den vor der Nase weg – genauso wie wenige Wochen zuvor beim San-Marino-GP in Misano.

Insgesamt kam Quartararo in seiner Rookie-Saison in der Königsklasse sogar vier Mal als Zeiter ins Ziel. Denn auch in Barcelona und Valencia rangierte er jeweils hinter dem alten und neuen Weltmeister Marquez. Zusätzlich holte Quartararo zu seinen vier zweiten auch noch drei dritte Plätze. Die MotoGP-Gesamtwertung 2019 schloss er als Fünfter und damit klar bester Rookie ab.

Folglich stuft Rossi die Yamaha-Entscheidung pro Quartararo nicht als riskant ein. Ganz im Gegenteil: „Er ist letztes Jahr vier Mal Zweiter geworden. Man darf aber nicht vergessen, dass Marquez und Honda auf einem anderen Level fuhren. Das ist auch ein Grund, warum Quartararo keinen Sieg eingefahren hat. Er hatte aber Rennen wie Valencia, Thailand oder Misano, bei denen er ganz knapp dran war – und das als Rookie.“

Und so unterstreicht Rossi abermals, dass die unlängst verkündete Entscheidung für 2021 und 2022 für ihn keineswegs unerwartet kam: „Wenn Yamaha keinen Quartararo hätte, dann hätten wir vielleicht noch mehr Zeit gehabt. So aber hat mich die Entscheidung nicht überrascht.“

Suzuki-Teamchef von Yamaha-Entscheidung überrascht

Während Yamahas Entscheidung für Rossi selbst also offenbar zu erwarten war, zeigt sich ein anderer Protagonist davon durchaus überrascht: Davide Brivio, der im Herbst 2003 maßgeblich daran beteiligt war, dass Rossi zur MotoGP-Saison 2004 von Honda zu Yamaha wechselte.

Inzwischen ist Brivio seit Jahren Teamchef bei Suzuki. Die Vergangenheit aber holt ihn hin und wieder offenbar doch noch ein. Dass Rossis Zeit im Yamaha-Werksteam mit der Saison 2020 zu Ende geht, kann Brivio nicht so ganz nachvollziehen. „Ich muss zugeben, dass es keine einfache Situation war. Ich kann das Dilemma (für Yamaha, Anm. d. Red.) schon verstehen. Aber ja, ich war überrascht davon, wie das Ganze gehandhabt wurde.“

Auf die Nachfrage, ob er sich seinen alten Vertrauten Rossi ab 2021 sogar auf einer Suzuki vorstellen könne, antwortet Brivio mit einem Lachen: „Lasst uns mal an unseren Piloten festhalten.“

Derzeit freilich verfügen weder Alex Rins noch Joan Mir über einen Suzuki-Vertrag über 2020 hinaus. Insbesondere Mir wird nachgesagt, dass er für 2021 bei Ducati in der Verlosung ist. Yamaha allerdings hat Rossi ungeachtet des Abschieds aus dem Werkteam auch für 2021 eine Werks-M1 zugesichert, sollte sich der Italiener zum Weiterfahren über 2020 hinaus entscheiden.