Valentino Rossi kämpft in Jerez mit Grip-Problemen, worauf Michelin-Manager Piero Taramasso auf den Fahrstil des „Doctors“ verweist – doch der will davon nichts wissen.

Yamaha-Werkspilot Valentino Rossi startet beim Spanien-Grand-Prix in Jerez nur von Position elf ins Rennen. Nach einem enttäuschenden Trainings-Auftakt am Freitag steigerte sich der „Doctor“ am Samstagmorgen bei etwas kühleren Bedingungen, schaffte den Sprung ins Q2. Doch im Qualifying am Nachmittag hatte der Altmeister erneut mit der Haftung zu kämpfen. Und verlor am Ende über eine Sekunde auf Marken-Kollege Fabio Quartararo.

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Michelin-Rennsport-Manager Piero Taramasso ließ anschließend aufhorchen, als er bei ‚Sky Italia‘ behauptete, Rossis Fahrstil sei für die Probleme mit den Reifen verantwortlich. „Rossi hat einen besonderen Fahrstil. Verglichen mit anderen Fahrern lehnt er sich weniger weit neben das Motorrad. Deshalb belastet er den Reifen auf der Flanke stärker, und die Reifen-Temperatur steigt an“, nennt Taramasso seine Theorie.

Der Michelin-Verantwortliche behauptet also, dass Rossi extremere Schräglagen fährt, weil er seinen Oberkörper weniger stark einsetzt als seine Kollegen. Das wiederum belastet die Reifen stärker, die Temperatur der Pneus steigt – und der Verschleiß nimmt zu. Doch Rossi will das so nicht stehen lassen.

Rossi: Reifen-Probleme haben andere Ursache

„Ich stimme Taramasso nicht zu. Ich habe das Interview mitbekommen. Wenn man sich die Bilder anschaut, dann sieht man, dass ich mich weit neben das Motorrad lehne. Ich habe intensiv daran gearbeitet“, stellt Rossi klar. Vor allem nach seiner Rückkehr zu Yamaha vor einigen Jahren hatte der Altmeister an seinem Fahrstil gefeilt. Seitdem lehnt er sich deutlich weiter neben das Bike.

„Mit den Bridgestone-Reifen haben wir uns noch weiter neben das Motorrad gelehnt. Jetzt mit den Michelin-Reifen kann man sich nicht zu weit nach außen lehnen“, erklärt Rossi weiter. Der Italiener optimiert seinen Fahrstil laufend, um so mit der deutlich jüngeren Konkurrenz mitzuhalten.

Laut Rossi haben die Reifen-Probleme eine andere Ursache. „In meiner Karriere habe ich immer harte Reifen bevorzugt, vorne und hinten. Die besten Rennen bin ich immer mit harten Reifen gefahren. Die Michelin-Pneus dagegen sind ziemlich weich. Das macht es mir nicht gerade leicht. Zumal ich größer bin als die meisten anderen Fahrer.“

„Ich bin zwar sehr dünn, aber ingesamt ist mein Gewicht ist höher“, so Rossi weiter. „Ich verstehe Taramasso zwar, wenn er sagt, dass es mein Problem ist, und nicht eins von Michelin. Denn die anderen Fahrer sind ja schnell. Ich stimme ihm zu, dass wir hier eine Lösung finden müssen. Aber ich stimme nicht zu, dass es daran liegt, dass ich mich zu wenig neben das Motorrad lehne.“

Yamaha-Kollegen allesamt ohne Probleme

Und was sagen die Yamaha-Markenkollegen zu Rossis Problemen? Fabio Quartararo holte sich in Jerez die Pole-Position. Maverick Vinales steht ebenfalls in Reihe eins. „Im Vergleich zu den letzten Jahren haben wir große Verbesserungen erzielt. Vor allem bei Hitze“, stellt Vinales fest.

„Die Konstanz ist viel besser. Das Motorrad verhält sich von einem Training zum nächsten sehr ähnlich. Wir können deshalb viel besser an der Abstimmung arbeiten und die Reifen besser verstehen. Hier in Jerez haben wir keine Probleme mit den Reifen“, bemerkt Vinales.

„Es ist bei der Hitze ziemlich überraschend, wie gut die Reifen funktionieren“, staunt Rossis Teamkollege. „Sicher haben wir Schwächen und Stärken. In Jerez haben wir aber viele Stärken, die wir morgen nutzen müssen.“

Fabio Quartararo stimmt Rossi zu, dass Yamaha auch 2020 ein Problem mit dem Top-Speed hat. Die M1 macht die dadurch verlorene Zeit nach wie vor in den Kurven gut. Sie ermöglicht höhere Kurven-Geschwindigkeiten im Vergleich zu Honda und Ducati.

„Es stimmt, dass unser Motorrad beim Top-Speed und der Leistung zurückliegt. Doch wir haben eine andere Stärke. Das Motorrad lenkt gut ein und lässt sich gut verzögern“, schildert Quartararo. „Ich denke, dass wir sehr intensiv daran arbeiten müssen, die Reifen zu kontrollieren.“

Was ist in Jerez für den Altmeister drin?

„Doch man kann nicht immer nur die positiven Aspekte vereinen. Mit 25 Runden alten Reifen fühlte ich mich am Ende von FP4 nicht allzu schlecht. Unser großes Problem ist der Top-Speed. Aber das Reifen-Management ist meiner Meinung nach nicht so schwierig“, so der Franzose.

Mit den Fortschritten vom zweiten zum dritten Freien Training zeigt sich Rossi zufrieden. „Im Vergleich zum Freitag haben wir uns verbessert. Wir hatten gestern einen schwierigen Tag. Vor allem am Vormittag habe ich mich heute wohler gefühlt. Meine Runden-Zeiten waren gut. Am Nachmittag hatte ich bei der Hitze dann etwas mehr zu kämpfen.“

Ein Podium ist in Jerez aber außer Reichweite, glaubt Rossi. „Ich denke, dass die Top 3 – Maverick (Vinales), Quartararo und Marquez – zu schnell sind. Doch dahinter folgt eine große Gruppe von Piloten, die ein ähnliches Tempo fahren. Im Qualifying war ich nicht besonders gut. Wir müssen uns natürlich verbessern.“