Ist die Suzuki GSX-RR „nur“ eine Yamaha-Kopie ohne Innovationen? Teammanager Davide Brivio hält die Philosophie des balancierten Gesamtkonzepts für richtig.

Nach dreijähriger Pause kehrte Suzuki 2015 mit einem Werksteam in die MotoGP zurück. Beim Konzept der GSX-RR haben sich die Japaner mit einem Reihen-Vierzylinder an Konkurrent Yamaha orientiert. Böse Zungen behaupten, dass Suzuki praktisch eine Kopie der M1 gebaut hat. Denn mit der Einheits-Elektronik, den Michelin-Reifen sowie den Öhlins-Dämpfern sind viele Parameter vorgegeben. Man setzt auch klassisch auf ein Aluminium-Chassis und geht nicht wie KTM einen eigenen Weg.

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Auch im Bereich der Aerodynamik ist Suzuki nicht so innovativ wie Ducati. „Man kann darüber diskutieren, dass unser Motorrad konventioneller ist als andere“, sagt Suzuki-Teammanager Davide Brivio im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. Der Italiener sieht das aber nicht als Problem. Denn im Vergleich zu Ducati meint er: „Selbst mit solchen Innovationen sind sie nicht weit vor uns. Alles gibt Dir einen Vorteil, kleine Details überall. Wir sehen uns das an und checken das.“

Brivio: Alles eine Frage des Gesamtpakets

„Unsere Philosophie ist es, eine gute Balance und einen guten Kompromiss zwischen Chassis und Motor zu finden“, hält Brivio fest. „Heute hat jeder in der MotoGP Stärken und Schwächen. Vielleicht hat jemand einen starken Motor, aber dafür Probleme mit dem Chassis. Und ein anderer hat ein besseres Chassis, aber einen schwächeren Motor. Es ist eine Frage des Gesamtpakets.“ Und die GSX-RR ist insgesamt ein gut ausbalanciertes Motorrad.

In diesem Jahr konnte Suzuki den Motor etwas verbessern und das gute Handling trotzdem beibehalten. Auf Ducati und Honda fehlt dennoch etwas Top-Speed. Nach neun Rennen ist Suzuki in der Marken-WM auf dem vierten Platz. Bei den Fahrern ist Alex Rins ebenfalls Vierter. Ohne die beiden Stürze zuletzt in Assen und auf dem Sachsenring gäbe es mehr Punkte auf dem Konto, denn dort war Rins in aussichtsreichen Positionen.

Brivio glaubt deswegen, dass die Suzuki-Philosophie funktioniert: „In Mugello hatten wir drei verschiedene Motorräder in den Top 4 – komplett unterschiedliche Konzepte. Aber alle waren zu Rennende beisammen. Es ist also eine Frage des Gesamtpakets. Wir sind mit unserem Motorrad und unserer Philosophie zufrieden. Trotzdem denken wir darüber nach, unsere Schwächen zu verbessern.“

Schwäche im Qualifying kein technisches Problem

Eine Schwäche war zu Beginn der Saison das Qualifying. Alex Rins und Joan Mir starteten oft nur aus dem Mittelfeld. Bis Barcelona qualifizierte sich Rins kein einziges Mal für die ersten beiden Startreihen. Erst zuletzt wurde es besser. Nach Startplatz drei in Assen griff der Spanier auf dem Sachsenring von Position vier an. Das erleichterte sein Leben im Rennen ungemein, denn von Beginn an konnte Rins im Spitzenfeld mitkämpfen.

„Es ist kein technisches Problem. Es ist nicht so, dass unser Motorrad für das Rennen gut ist, aber nicht für das Qualifying“, sagt Brivio zu diesem Thema. „Es geht vielleicht eher darum, wie wir das Qualifying angehen und was passiert.“ Durch den Regen in Le Mans verpasste Rins beispielsweise den Q2-Einzug. In Mugello war er im dritten Training gestürzt und dann gab es in Q1 eine Situation mit Valentino Rossi, die beiden den Q2-Einzug gekostet hat.

„Es ist also eher die Herangehensweise, oder die Strategie für das Wochenende, oder wie sich das Wochenende entwickelt“, meint der Teammanager. „Ich sehe keinen Grund, warum wir im Qualifying nicht so schnell wie im Rennen sein können. Gegen Ende der vergangenen Saison haben wir uns für gute Positionen qualifiziert, manchmal für die zweite Startreihe. Wir müssen an unseren Abläufen für das Wochenende arbeiten, damit wir am Samstag besser bereit sind.“

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