Thomas Gradinger holte in Assen seinen ersten Podestplatz in der WorldSSP. Er ist somit der erste Österreicher, der in dieser Klasse auf dem Treppchen stand. Hohe Ziele für 2020.

Für den Österreicher Thomas Gradinger kam es im November des Vorjahres zu einer Einigung mit dem deutschen Traditionsrennstall Kiefer Racing. Doch nach dem Aufschwung folgt nun die harte Realität: Sponsoren sind abgesprungen und der Rückzug aus der Supersport-WM droht. Ein Horror-Szenario für den deutschen Supersport 600-Meister und seinen deutschen Kollegen, den ehemaligen Moto2-Piloten Lukas Tulovic. Das Rennbudget bei Kiefer Racing soll nun durch Crowdfunding gesichert werden. Doch auch die Fahrer wollen ihr Möglichstes zum Gelingen beitragen. Thomas Gradinger im Exklusiv-Interview:

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servusmotogp.com: Trotz Verletzung WM-Neunter in der Saison 2019 und erfolgreichster Supersport-Fahrer Österreichs. Wie haben Sie die vergangene Saison erlebt?

Thomas Gradinger: Für mich war es eine sehr abwechslungsreiche Saison, in der ich wieder daran erinnert wurde, wie schnelllebig dieser Sport ist. Ich konnte oft, speziell in der ersten Hälfte, einen richtig guten Speed fahren und auch manchmal in gute Ergebnisse umwandeln. Auf der anderen Seite waren dann auch technische Defekte, unverschuldete Stürze, Krankheit und Verletzungen, die oft einfach nicht mehr zugelassen haben. Aber alles in allem war es eine coole Saison.

servusmotogp.com: Was ist für Sie das Besondere an Kiefer Racing?

Thomas Gradinger: Leider habe ich bis jetzt noch nicht direkt die Möglichkeit gehabt, mit dem Team zu arbeiten. Aber natürlich haben wir uns bereits getroffen und uns unterhalten. Die WM-Titel sind sehr beeindruckend, aber viel wichtiger sind in dem Fall die Menschen, die hinter dem Projekt stehen. Und die habe ich bis jetzt sehr freundlich und ehrlich, aber trotzdem ehrgeizig und zielstrebig erlebt.

Gradinger: Ziel sind Podestplätze

servusmotogp.com: Welche Ziele haben Sie sich für die Saison 2020 gesteckt – sofern das Rennbudget gesichert ist und Sie mit Kiefer Racing an den Start gehen können?

Thomas Gradinger: Für den Anfang der Saison werden Podestplätze das Ziel sein. Und dann werden die Erwartungen und Ziele nach oben geschraubt.

servusmotogp.com: Was sagen Sie zu den vielen positiven Rückmeldungen auf diversen Social Media-Kanälen in Bezug auf die Crowdfunding-Aktion?

Thomas Gradinger: Ich finde es sehr cool. Es ist schon nochmal eine extra Portion Motivation, wenn man so viel Support von Fans und Unterstützern bekommt.

servusmotogp.com: Wie schätzen Sie generell die Förderung deutschsprachiger Fahrer im Motorradrennsport ein? Und was würden Sie sich für den österreichischen Nachwuchs wünschen?

Thomas Gradinger: Ich kann nur von Österreich und der österreichischen Föderation sprechen. Aber dort ist die Unterstützung gleich null. In Österreich wird Motorsport nicht einmal als Sport anerkannt – sprich, wird nicht gefördert. Zum Glück gibt es immer wieder Firmen und Privatpersonen, die vom Motorradrennsport begeistert sind und uns unterstützen. Zum Thema Nachwuchs finde ich es schade, dass überall beklagt wird, dass es in Österreich keinen gäbe. Aber die wenigen Fahrer, die es gibt, werden dann allerdings oft nicht unterstützt, da namhafte und einflussreiche Firmen lieber in Asien, Spanien oder Italien investieren anstatt in Österreich.

Interview: Katharina Untersberger