Lin Jarvis sieht bei Yamaha deutliche Fortschritte, erkennt aber auch, dass Valentino Rossi zu kämpfen hat: Der Rennchef über mögliche Gründe – und Shooting-Star Fabio Quartararo.

In den letzten MotoGP-Rennen zeigte die Formkurve bei Yamaha wieder etwas nach oben. Zwar reichte es noch nicht für Siege, mit Maverick Vinales schaffte es in Silverstone und Misano aber ein Werks-Pilot aufs Treppchen. Auch beim Großen Preis von Aragonien kämpfte er bis zuletzt um die Podestplätze, verpasste das Podium nur knapp.

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„Ohne Zweifel haben wir seit Beginn des Jahres große Fortschritte gemacht, wie sich in den letzten paar Rennen zeigte“, hält Yamaha-Renndirektor Lin Jarvis im Gespräch mit ‚GPOne.com‘ fest. „Wenn es in der Vergangenheit Strecke gab, auf denen wir konkurrenzfähig waren, und andere, wo wir verloren, ist das nicht länger der Fall.“

Damit meint Jarvis die vielen Aufs und Abs, die Yamaha je nach Strecke lange Zeit erlebte. „Wir haben die richtige Richtung eingeschlagen und bei fast allen Bedingungen ein wettbewerbsfähiges Motorrad“, freut er sich über die gestiegene Konstanz. Doch er weiß auch: „Das heißt nicht, dass es genug ist, um zu gewinnen.“

Lin Jarvis: Rossi ist noch immer konkurrenzfähig

Das gelang Yamaha in diesem Jahr bisher nur in Assen, als Vinales WM-Leader Marc Marquez (Honda) bezwang und den Sieg holte. Zwar blieb es bei diesem einen Mal, aber Jarvis betont: „Es sind immer alle Yamahas in der Spitzengruppe, von Freitag bis Sonntag. Wir haben also definitiv einen Schritt nach vorn gemacht.“

Valentino Rossi scheint davon jedoch am wenigsten zu profitieren. Nach drei vierten Plätzen in Folge war er in Aragon zuletzt wieder nur Achter. „Das war ohne Zweifel ein schlechtes Rennen. Das Motorrad war infolge der verlorenen Regentrainings nicht perfekt abgestimmt. Aber das darf keine Entschuldigung sein“, so Jarvis.

„Ich glaube, dass Valentino immer noch konkurrenzfähig ist. Die jungen Fahrer sind sehr, sehr schnell, aber auch Valentino ist in der Lage, schnell zu sein. Manchmal ist es schwer, während eines Grands Prix das beste Set-up für das Motorrad zu finden. Es ist nicht leicht, diesen jungen Talenten mit 40 Jahren gegenüber zu treten.“

Die Unterschiede zwischen Werks- und Kundenteam

Eines dieser jungen Talente kommt mit Fabio Quartararo aus den eigenen Reihen. Der MotoGP-Rookie fährt seine erste Saison bei Petronas-Yamaha und und schaffte es bereits viermal aufs Podest – und damit zwei Mal mehr als Rossi. In der WM-Wertung fehlen Quartararo bei noch fünf zu fahrenden Rennen nur noch zehn Punkte auf ihn.

Was sagt Yamaha-Renndirektor zum Rookie-Vergleich? „Zunächst muss man anmerken, dass sein Motorrad heute den offiziellen Werks-Bikes sehr ähnlich ist. Das Basis ist für alle gleich. Aber die Werks-Piloten haben die Aufgabe, Neuheiten zu testen, die sie zuerst bekommen“, erklärt Jarvis die Unterschiede der Teams.

Und weiter: „Wenn wir sicher sind, dass die neuen Teile funktionieren, stellen wir sie auch dem Satelliten-Team zur Verfügung. Normalerweise sprechen wir über eine Verzögerung von drei oder vier Rennen. Das trifft in erster Linie auf Franco Morbidelli zu. Das Motorrad von Fabio sollte während der Saison gleich bleiben.“

Quartararo zukünftig mit aktuellem Werks-Material?

Aber auch hier sei man in der Lage gewesen, „ihn mit einigen neuen Teilen auszustatten. Auch, wenn wir nicht über die jüngsten Entwicklungen sprechen. Genauso wenig wie bei den offiziellen Bikes“. Für die Zukunft geht Jarvis davon aus, dass Quartararo gleichgestellt wird, auch wenn diese Entscheidung beim Kunden-Team liegt.

„Für das nächste Jahr muss das Petronas-Team entscheiden, welche Pläne es verfolgen will. Aber ich würde sagen, es gibt die klare Intention, Fabio dasselbe Material zur Verfügung zu stellen wie Franco. Wenn das der Fall ist, wird das sicherlich ein Schritt nach vorne sein“, blickt Jarvis voraus – und weiß um die Konkurrenz aus dem eigenen Haus.