America’s Cup: 170 Jahre voller Schmerz

15. Jan. 2021

Foto: (C) C. Gregory/Ineos Team UK

Seit 170 Jahren warten die Briten auf den nächsten Sieg beim America's Cup. Sir Ben Ainslie soll es richten, die legendäre Silberpfanne nach Großbritannien holen.

Ben Ainslie legte die Stirn in Falten, es wirkte fast so, als spüre er die tiefe Wunde der britischen Seele am eigenen Leib. „Wir haben im Sport so gut wie alles gewonnen - bis auf den America's Cup. Das schmerzt wirklich", sagte der Segel-Superstar: „Und es sind 170 Jahre voller Schmerz."

Ainslie, 43, im Jahr 2013 zum Ritter geschlagen, ist besessen davon, die Leidensgeschichte zu beenden. „Wir geben soviel Gas, um den Cup zurück nach Großbritannien zu bringen", sagte der erfolgreichste Segler der Olympiageschichte. In der Nacht zu Freitag (3.00 Uhr/LIVE im Stream bei ServusTV) starten die Herausforderer-Rennen der 36. Ausgabe des America's Cup

Der Kampf um die älteste Sporttrophäe der Welt beginnt wieder, es geht vor Neuseeland um die legendäre Silberkanne. Die 1851 erstmals der britische Royal Yacht Squadron für eine Wettfahrt um die Isle of Wight übergeben wurde. Seitdem hat sich der Cup immer wieder stark gewandelt. So auch von der letzten Ausgabe 2017 vor Bermuda hin zum Großevent in Auckland. 

Absolute Hightech-Boote

Am deutlichsten ins Auge stechen werden die neuen, spektakulären Boote. 75 Fuß lange Hightechgeschosse, die von elf Seglern an Bord mit bis zu 100 Stundenkilometern über des Wasser gejagt werden. „Auch wenn es Einrumpfboote sind, fliegen sie dank der Foiling-Technologie wie die Katamarane schnell über das Wasser, bewegen sich aber agiler", sagte Jochen Schümann, zweimaliger Cup-Gewinner. 

Schon das erste Aufeinandertreffen der vier Teams rund um Weihnachten lieferte einen Vorgeschmack auf spektakuläre Duelle, die maßgeblich von den Entwicklern geprägt sind. In den Herausforderer-Rennen kämpfen neben Ainslies Ineos Team UK noch Luna Rossa aus Italien und das US-amerikanische Team American Magic des New York Yacht Clubs um den Platz im eigentlichen America's Cup gegen Titelverteidiger Emirates Neuseeland ab dem 6. März. 

Es stellt sich „wie bei der Formel 1 die Frage, was vorherrschend sein soll", sagte Schümann: „Ist es die Weltmeisterschaft der Ingenieure oder die Weltmeisterschaft der Fahrer bzw. Segler." Das Gleichgewicht hat sich wahrscheinlich ein wenig Richtung Technologie verschoben: „Wer das beste Paket hat, wird gewinnen."

Dass dies "King Ben Ainslie" sein wird, scheint derzeit unwahrscheinlich, obwohl er eng mit den Formel-1-Weltmeistern von Mercedes kooperiert. Bei den Testrennen blieb er mit seiner Crew ohne Sieg - ein deutlicher Rückschlag in der Kampagne. Doch das spornt nur noch mehr an, das Boot noch einmal „entscheidend" zu verbessern, wie er sagt. Schließlich lastet die Hoffnung der Briten auf seinen Schultern. (SID/Red)