MotoGP World Championship

Ausgeglichene MotoGP: Satelliten-Fahrer mehr Siege als die Werkspiloten

27. Nov. 2020

Foto: (C) Motorsport Images

Die Chancengleichheit, wie sie 2020 in der MotoGP vorhanden war, war vor Jahren noch undenkbar.

In der abgelaufenen MotoGP-Saison konnten die Kundenteams der verschiedenen Hersteller mehr Siege einfahren als die Werksteams. Bei nur sechs Rennen setzten sich die Fahrer der Werksteams. Die Satelliten-Fahrer entschieden acht Rennen für sich. Besonders auffällig: Beim Saisonfinale schaffte es kein Werkspilot aufs Podium.

Diese Chancengleichheit war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Von Estoril 2006 bis Assen 2016 machten die MotoGP-Werksfahrer alle Siege unter sich aus. Jack Miller beendete diese Durststrecke am 26. Juni 2016, als er in Assen bei schwierigen Bedingungen mit der Marc-VDS-Honda seinen bisher einzigen Sieg in der MotoGP einfuhr.

Jack Miller freut sich über die positive Entwicklung der privaten MotoGP-Teams. „Es ist beeindruckend, wie sich die MotoGP in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat, seit ich hier fahre. Es ist toll, das zu sehen. Ich hoffe, dass das in der Zukunft weiter zunimmt", bemerkt der Australier.

Miller durchlebt verschiedene Phasen der MotoGP-Kundenteams

„Ich kann mich glücklich schätzen, in Sachen Satelliten-Teams einige Phasen erlebt zu haben. Ich fuhr damals die Open-Honda. Dann war ich derjenige, der es nach einer zehnjährigen Phase wieder geschafft hatte", erinnert er sich an die Dutch TT 2016 und gesteht: „Ich hätte damals nicht im Traum daran gedacht, dass wir hier zu dritt sitzen."

Beim Saisonfinale der MotoGP machten die Satelliten-Fahre das Podium unter sich aus. Miguel Oliveira gewann für Tech 3, Jack Miller holte für Pramac den zweiten Platz und Franco Morbidelli brachte das Petronas-Team auf das Podium. Erstmals seit 16 Jahren standen drei Satelliten-Fahrer auf dem Podium.

„Es ist toll, dass man sich nicht mehr drei oder vier Jahre hocharbeiten muss, was das Material angeht", begrüßt Miller die positive Entwicklung der privaten Teams und erinnert sich: „Zuerst war es Honda mit Cal Crutchlow. Sie gaben ihm im Satelliten-Team eine Werksmaschine. Dann legte Ducati mit Danilo Petrucci und Scott Redding nach. Sie kämpften um eine Werksmaschine für das Folgejahr. Jeder Hersteller legte bei der Unterstützung der Satelliten-Teams nach."

Weltmeister im Satelliten-Team wäre für Oliveira keine Überraschung

Tech-3-Pilot Miguel Oliveira steuerte in der abgelaufenen MotoGP-Saison zwei der acht Siege von Kundenfahrern bei. Auch der Portugiese freut sich, dass sich die Chancengleichheit in der MotoGP deutlich verbessert hat.

„Es hängt immer davon ab, wie die Hersteller ihre Motorräder bauen und wie sie das Geschäftsmodell drum herum aufbauen. Wenn die Hersteller an ihre Werksteams und an die Satelliten-Teams das gleiche Material liefern, liegt es am Fahrer, ihre Arbeit zu machen. Es wäre keine Überraschung, wenn in der Zukunft ein Satelliten-Team den Weltmeister stellt", bemerkt Oliveira.

„Ich sehe keinen Grund, warum Satelliten-Teams im Moment nicht besser sein können als Werksteams. Vor allem im kommenden Jahr ist das möglich, weil es keine großen Entwicklungen an den Maschinen gibt", schaut er mit Freude auf die Saison 2021, in der er dann allerdings bei KTM im Werksteam fährt.

„Die gesammelte Erfahrung aus dieser Saison wird sich auszahlen. Es wird ums Feintuning gehen, damit man im kommenden Jahr schneller ist", fügt Oliveira hinzu.

Morbidelli wird mit der Kunden-Yamaha Vize-Weltmeister

Yamaha-Pilot Franco Morbidelli komplettierte beim Saisonfinale das Podium und war in der abgelaufenen Saison als WM-Zweiter der bestplatzierte Satelliten-Fahrer. Morbidelli wird auch in der kommenden Saison im Petronas-Team eine Vorjahres-Yamaha pilotieren.

Von der positiven Entwicklung der Kundenteams profitierte Morbidelli direkt. Der Italiener begrüßt die neue Chancengleichheit in der MotoGP: „Es ist auch für die Show besser und hilft dabei, die gesamte Meisterschaft nach oben zu bringen."

„Wenn die Werksfahrer den Satelliten-Fahrern technisch überlegen sind, dann können sie sich zurücklehnen. Im Moment ist es in der MotoGP so, dass die Werksfahrer kämpfen müssen, sich gegen die Satelliten-Fahrer durchzusetzen. Die Satelliten-Fahrer können regelmäßig ihr Potenzial zeigen", stellt Morbidelli fest.