Servus Sport aktuell

Fußball: Salzburgs Traum lebt dank „einem der besten“ CL-Spiele

2. Dez. 2020

Foto: GEPA Pictures / Jasmin Walter

Nach dem 3:1-Erfolg bei Lok Moskau lobt Salzburg-Coach Jesse Marsch sein Team in den höchsten Tönen - im "Gruppen-Finale" gegen Atletico muss jetzt ein weiterer Sieg her.

Stark gespielt, sicher verteidigt und erstmals belohnt: Der FC Red Bull Salzburg konnte am Dienstagabend nach dem 3:1-Erfolg bei Lok Moskau und dem ersten Dreier in der laufenden Champions-League-Saison hoch zufrieden sein. Nach einer der "besten Leistungen in den zwei Jahren Champions League", wie es Trainer Jesse Marsch formulierte, kann sein Team weiter vom Aufstieg ins Achtelfinale träumen. Dafür muss im "Finale" am kommenden Mittwoch gegen Atletico Madrid ein Dreier her.

"Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns", schwärmte Marsch nach dem Erfolg über einen gerade in der ersten Hälfte extrem defensiven Gegner, der erst nach dem Rückstand etwas mehr Risiko einging. Salzburg hat nun vier Punkte und damit nur zwei Zähler weniger als Atletico am Konto. Ein Heimsieg in der kommenden Woche würde beim zweiten Gruppen-Start den erstmaligen Aufstieg in die K.o.-Phase der Königsklasse bedeuten. Zumindest aber haben die Mozartstädter aktuell einen Punkt mehr als Lok. Und damit schon mal beste Aussichten im Kampf um Platz drei, der den Umstieg in die Europa League bringen würde. Lok gastiert zum Abschluss beim FC Bayern.

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Salzburg trauert verpassten Chancen nach

Dennoch dürfte es die "Bullen" etwas schmerzen, in den drei Spielen zuvor Punkte liegen gelassen zu haben. Nicht nur und besonders beim 2:2-Auftakt gegen Lok, sondern auch in den Partien gegen die klaren Favoriten Bayern (2:6, 1:3) und Atletico (2:3). Immer wieder geriet danach die Defensive ins mediale Kreuzfeuer. Schließlich hat man in der laufenden Saison in jedem internationalen Spiel und auch in sieben von neun Liga-Partien zumindest je ein Gegentor kassiert.

"Schade, dass wir ein Gegentor bekommen haben", sagte Marsch auch am Dienstag. Der späte Anschlusstreffer der Russen nach einem vermeidbaren Foulelfmeter von Andre Ramalho ("Ich entschuldige mich bei der Mannschaft") machte es in der 79. Minute aber ohnehin nur für kurze Zeit spannend. Denn wenige Augenblicke später machte Karim Adeyemi mit dem 3:1 (81.) endgültig den Deckel drauf. Alles in allem zeigte sich Marsch mit dem Auftritt seiner Truppe höchst zufrieden. "Heute haben wir sehr gut verteidigt. Besonderes bei Standards, wo Lok ja viele große Spieler hat", meinte der US-Amerikaner. Und unterstrich einmal mehr den Charakter seines Teams: "Es ist für mich auch eine Mentalität. Das Gefühl, dass wir alles füreinander machen, um unser Tor zu schützen. Das war heute ganz, ganz klar."

Berisha einmal mehr Salzburgs Matchwinner

Mentalität bewies in Moskau erneut Doppel-Torschütze Mergim Berisha (28./41.). Deutschlands U21-Teamkicker hält in der laufenden CL bereits bei sieben Treffern. Und übernahm damit zumindest bis zum Mittwoch vor dem Ex-Salzburger Erling Haaland (BVB/sechs Tore) die Führung in der Torschützenliste. Trotzdem blieb Berisha gewohnt bescheiden. "Ich denke, wir sind sehr gut in die Zweikämpfe gekommen, haben unser Spiel gespielt und waren sehr mutig. Jeder ist für den anderen gelaufen", erklärte der 22-Jährige. "Ich freue mich sehr für ihn", befand wiederum Marsch. "Er war nicht immer total glücklich. Aber als er die Chance hatte, hat er geliefert." Einst zu Altach, dem LASK und nach Magdeburg verliehen, biss sich Berisha in der Vorsaison trotz harter Konkurrenz durch und ist nun endgültig in Salzburg angekommen.

Das kann man nun auch von Adeyemi behaupten. Berishas Landsmann war international bisher vor allem in der Youth League aufgefallen. Auch in der Bundesliga hat er erst 16 Partien absolviert. Nun durfte er in seinem dritten "echten" Europacup-Match bereits über sein Premieren-Tor jubeln. An der Mittellinie jagte er Murilo den Ball ab, nachdem er Sekunden zuvor mit dem Brasilianer bei einem Getümmel nach dem Anschlusstreffer noch aneinandergeraten war. "Das war die perfekte Antwort für das, was davor passiert ist", meinte er hinterher im Interview. "Ich bin so schnell gelaufen, wie ich kann. Ich bin überglücklich", sagte er über das Tor und seinen 34-km/h-Sprint und versprach: "Das geht noch schneller."

Wie schnell der Jung-Star Salzburg verlässt, bleibt dagegen abzuwarten. Der FC Barcelona soll schon im Herbst 2019 rund 15 Millionen Euro für Adeyemi geboten haben. Sein aktueller Verein ist sich des Werts seiner Aktie aber bewusst und hat den Vertrag mit dem Stürmer im Jänner dieses Jahres bis 2024 verlängert. "Er ist ein Top-Talent. Wir glauben, dass er eine große Zukunft hat", betonte Marsch, der damit in der Offensive immer mehr Alternativen hat. Im Finish gab der sechsfache Liga-Torschütze Patson Daka nach fünfwöchiger Verletzungspause und damit früher als ursprünglich erwartet sein Comeback. Und Masaya Okugawa saß zumindest wieder auf der Bank. (APA/red.)