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Marco Schwarz: Sein strahlendster Sieg

27. Jan. 2021

Foto: GEPA pictures/ Christian Walgram

"Für einen Slalom-Fahrer ist in Schladming zu gewinnen das Gleiche wie für einen Abfahrer in Kitzbühel", sagt Marco Schwarz nach seinem Sieg.

Sein vierter Weltcup-Sieg war der bisher speziellste für Ski-Ass Marco Schwarz. "Für einen Slalom-Fahrer ist in Schladming zu gewinnen das Gleiche wie für einen Abfahrer in Kitzbühel", sagte der Kärntner am Dienstagabend nach seinem Nightrace-Triumph. Vor diesem stand er schon 2020. Getrübt wurde seine Freude nur durch das Fehlen der Fanmassen. "Natürlich wäre es noch um einiges cooler gewesen, wenn da 45.000 Leute gestanden wären", gestand Schwarz.

"Jetzt weiß ich, wie sich der Mothe in Kitzbühel gefühlt hat", sprach der Blondschopf aus Radenthein zu späterer Stunde. Freilich nicht ganz, schließlich hat der angesprochene ÖSV-Kollege Matthias Mayer bei seinem Kitzbühel-Abfahrtssieg im Vorjahr das Bad in der Menge wahrlich auskosten dürfen. Das "ist heuer nicht möglich", weiß Marco Schwarz. Doch Schladming eilt auch zu Pandemie-Zeiten der Ruf als spektakulärstes, lautestes Weltcup-Rennen des Jahres voraus, weswegen ein Sieg hier für ihn "trotzdem ganz oben einzustufen" ist.

Der 25-Jährige bezeichnete Schladming sogar als "Klassiker schlechthin". Zwar gab es erst 24 Nightrace-Ausgaben, wovon ÖSV-Vertreter nun 13 gewannen. Doch ist ein 1995er-Jahrgang wie er mit dem Rennen praktisch aufgewachsen. Zudem hat Marco Schwarz auch persönliche Verbindungen zu dem Ort im oberen Ennstal. "Ich bin da in die Handelsschule gegangen. Dort hat alles so richtig angefangen", sagte er.

Marco Schwarz: 2020 als Halbzeit-Leader ausgefallen

War er vergangenes Jahr noch als Halbzeit-Leader ausgerutscht, griff Marco Schwarz diesmal aus dem Hinterhalt an. Als Sechster nach dem ersten Durchgang schaltete er auf "Totalangriff" und schaffte es mit zweitbester Laufzeit ganz nach vorne. Während er Nervenstärke bewies, schieden die besser postierten Stallrivalen Michael Matt als Dritter und Manuel Feller als Pausen-Führender bei starkem Schneefall aus. "Ich hätte es beiden sehr gegönnt", meinte Marco Schwarz zu den zwei Ausfällen, die auch hinsichtlich des Nationencup-Vergleichs mit der Schweiz schmerzhaft waren. 619 Punkte liegt das Nachbarland nun vor Österreich.

Bei dichtem Schneetreiben, aber Geisterkulisse durfte sich Schwarz am Dienstag über den insgesamt vierten Karriereerfolg freuen. In nun sieben Saisonslaloms stand er sechsmal auf dem Podest, in der Disziplinwertung führt er mit 131 Punkten Vorsprung auf den Norweger Sebastian Foss-Solevaag und 165 auf Feller. "Das hat auf alle Fälle was, Schladming, den Klassiker zu gewinnen. Das war schon ein großes Ziel. Heute ganz oben zu stehen, ist natürlich wunderbar", sagte der 25-jährige Schwarz.

Schon im vergangenen Jahr sei er knapp dran gewesen, habe geführt. "Ich weiß, wie sich jetzt der Manu fühlt, ich bin ungefähr gleich weit gefahren letztes Jahr. Heuer ist es mir sehr gut aufgegangen. Ich habe gewusst, ich muss im zweiten Durchgang voll attackieren, das werden die anderen auch tun." Es funktioniere alles sehr gut, er sei megahappy. "Jetzt noch die zwei Slaloms in Chamonix, die noch gut fahren, und dann gut auf die WM vorbereiten und auf mich zukommen lassen", lautet sein Fahrplan.

"Ich schaue von Rennen zu Rennen"

Seinen Fokus beeinträchtigt das aber nicht. Ebenso wenig wie das Rote Trikot des Führenden im Slalom-Weltcup oder die anstehende WM in Cortina d'Ampezzo. Dort ist Marco Schwarz wieder in mehreren Disziplinen Medaillenanwärter. "Ich schaue von Rennen zu Rennen", sagte der Ruhepol. "Natürlich ist es schön, wenn man das Rote Trikot hat. Aber aus ist es dann, wenn das letzte Rennen ist."

Seine momentane Stärke erklärte der Gesamtweltcup-Dritte mit jahrelanger harter Arbeit, die eben jetzt Früchte trage. Auch die Vorbereitung auf diese Saison sei sehr intensiv und gut gewesen. "Wir haben viele Schneetage gehabt, was sicher auch sehr gut geholfen hat", erklärte Marco Schwarz. "Das Material funktioniert sehr, sehr gut. Ich fühle mich sehr wohl darauf und kann befreit skifahren."

Puelacher: "Die Grundtechnik ist hervorragend"

Großes Lob kam auch von Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher, der vor allem die Konstanz hervorhob. "Es gibt kein Ausscheiden, er steht sehr, sehr stabil auf dem Ski. Die Grundtechnik ist hervorragend", sagte der Tiroler, der Schwarz 2014 in Levi im Weltcup debütieren ließ. Außerdem habe der "natürlich ein Selbstvertrauen nach diesen Podestplätzen". Der Sieg in Schladming war bereits der sechste Top-3-Rang in dieser Saison im siebenten Slalom. "Man kann ihm nur gratulieren", so Puelacher, der auf eine Fortsetzung der Serie am Wochenende in Chamonix hofft. (APA/red.)