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Mikaela Shiffrin schreit vor Glück: „Ein Neubeginn“

13. Jan. 2021

Foto: GEPA pictures/ Harald Steiner

US-Skistar Mikaela Shiffrin stellt in Flachau neue Rekorde auf: 68. Weltcup-Sieg, 100. Podest-Platz und 44 Siege in einer Disziplin!

Die "Königin der Nacht" schrie vor Begeisterung. Vor Glück. Einmal, zweimal, dreimal. Selten hat sich die einzigartige Mikaela Shiffrin so sehr gefreut wie am Dienstagabend unter Flutlicht in Flachau. Zum bereits 68. Mal gewann die Amerikanerin ein Rennen im Weltcup. Doch dieser Sieg, der zweite des Winters, bedeutete ihr mehr als andere.

Mikaela Shiffrin hatte danach Mühe, ihre Gefühle in Worte zu fassen. "Ich war so inspiriert, ich habe mich einfach lebendig gefühlt", platzte es aus ihr heraus, "ich wünschte, ich könnte das erklären." Und dann betonte sie: "Dieser zweite Lauf, das war vielleicht die beste Slalom-Leistung, die mir je in einem Rennen gelungen ist." Wohlgemerkt: Shiffrin sind schon viele unfassbar gute Fahrten gelungen.

Diesmal allerdings kam alles zusammen: Es war ihr erster Sieg in einem Slalom seit dem 29. Dezember 2019. Nur ein paar Wochen danach verstarb ihr Vater. Noch immer bestimmt dieser Schicksalsschlag ihre Gefühle, ihre Gedanken - ihr Leben. Um gut Ski zu fahren, sagte sie, "bedarf es jetzt einer anderen Mentalität, und ich habe das in dieser Saison erst lernen müssen." 

Neue Rekorde aufgestellt

Der US-Skistar hat mit ihrem 44. Slalom-Sieg erneut Rekorde aufgestellt und während einer "neuen Ära" auch einen emotionalen Neustart hingelegt. Mit ihrem 68. Weltcupsieg überholte die US-Amerikanerin den zuvor Dritten Marcel Hirscher in der Allzeit-Siegerliste (67 Siege) und dies just mit dem 100. Podest-Platz ihrer Karriere. Dreistellig sind vor der 25-Jährigen nur sieben andere - angeführt von Ingemar Stenmark (155) - geworden.

Hocherfreut, aber erneut auch nachdenklich gab sich Mikaela Shiffrin über den ersten Slalomsieg nach dem Tod ihres Vaters. Der Blick zurück sage ihr, dass sie die meisten Siege und besten Rennen bereits hinter sich habe, meinte Shiffrin. "Was etwas seltsam ist, wenn man erst 25 ist. Es klingt sogar negativ." Für sie sei es aber enorm wichtig gewesen, zuerst nochmals in die Vergangenheit zu gehen. "Zu der, die ich einmal war und wie ich mich damals gefühlt habe und wie ich Ski gefahren bin. All das, was sich früher so natürlich angefühlt hat."

Mikaela Shiffrin: "Etwas hat klick gemacht"

Sie würde sehr gerne viel ändern von dem, was im vergangenen Jahr passiert sei und das Dunkle aus ihrer Seele lassen. "Das wird mir noch einige Zeit Probleme machen", gestand sie zu später Stunde. Aber Mikaela Shiffrin sah erstmals seit ihrem Comeback auch Hoffnung. "Heute Nacht hat auch etwas 'klick' gemacht. Ich war in der Lage, dieses Gefühl hinter mir zu lassen, hatte auch Spaß. So will ich weitermachen. Es war irgendwie ein Neubeginn, ein großer Schritt. Und eines dieser Rennen von denen du dir wünscht, dass sie nie aufhören."

Auch dass ihre jahrelange One-Woman-Show durch den Stangenwald vorerst wohl zu Ende ist, ist Mikaela Shiffrin bewusst. "Wir sind jetzt eine sehr starke Gruppe. Ohne volles Risiko kommst du nicht aufs Podium. Das ist in dieser Saison aber das Beste, was passieren konnte. Es ist eine neue Ära."

Zunächst aber schreibt Shiffrin weiter eifrig neue Fabelmarken in die Bücher: Ihre 44 Slalomsiege sind nun Disziplinen-Rekord bei den Damen, sie hat Lindsey Vonn (43/Abfahrt) überflügelt. Nur Stenmark hat in einer einzelnen Disziplin (Riesentorlauf) mehr Siege errungen, doch der ist mit seinen 46 bereits in Griffweite. (SID/APA/red.)