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Mikaela Shiffrin weint hemmungslos: „Ein bittersüßer Sieg“

14. Dez. 2020

Foto: GEPA pictures/ Philipp Brem

Mikaela Shiffrin feiert beim Riesenslalom von Courchevel ihren 67. Weltcupsieg. Sie wird dabei von ihren Emotionen überwältigt.

Mikaela Shiffrin sackte auf die Knie und weinte hemmungslos. Im Moment ihres 67. Weltcup-Erfolgs kam bei der 25-Jährigen die ganze Trauer um ihren Vater Jeff noch einmal hoch. "Es ist schwer zu erklären. Ich habe nach dem Tod meines Vaters eigentlich gedacht, dass ich es nicht mehr schaffe. Es ist verrückt, wieder zurück zu sein. Es ist ein bittersüßer Sieg, ein spezieller Moment", sagte Shiffrin, immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt.

Nach Monaten der Ungewissheit meldete sich die Skikönigin aus den USA beim Riesenslalom in Courchevel eindrucksvoll zurück. Die Olympiasiegerin triumphierte überlegen wie vor dem Schicksalsschlag. Quasi in alter Shiffrin-Manier gewann sie vor der Italienerin Federica Brignone (+0,82 Sekunden) und Tessa Worley aus Frankreich (+1,09). Die Mitfavoritinnen Petra Vlhova (Slowakei) und Marta Bassino (Italien), die das Rennen am Samstag gewonnen hatte, waren ausgeschieden.

Sie sei "wirklich stolz" auf ihre Leistung, es sei ein unglaublicher Tag", sagte Mikaela Shiffrin emotional berührt. Sie habe "nicht gewusst, ob ich wieder auf diesem Level fahren kann. Im ersten Lauf habe ich das geschafft. Aber ich wusste nicht, ob ich die Stärke für den zweiten Lauf auch habe. Es braucht so viel Energie. Es ist ein Sieg für mein ganzes Team, für meine Mutter. Ich bin nicht alleine gefahren heute - so viele Menschen haben mir heute Kraft gegeben."

Letzter Sieg von Mikaela Shiffrin am 26. Jänner

Mikaela Shiffrin hatte zuletzt beim Super-G im bulgarischen Bansko am 26. Jänner ein Rennen gewonnen. Danach war sie wegen des tödlichen Unfalls ihres Vaters Jeff am 2. Februar in die USA gereist. Ihr Comeback gab sie erst Mitte November bei den Slalom-Rennen in Levi, wo sie einmal Zweite und einmal Fünfte wurde. Beim ersten Riesenslalom von Courchevel am Samstag war sie Vierte geworden - und nun dieser Erfolg.

Dabei wähnte sich die fünfmalige Weltmeisterin nach ihrer Pause und einer Rückenverletzung in der Vorbereitung noch gar nicht bereit für ganz oben. Sie habe "Nachholbedarf", hatte Mikaela Shiffrin vor dem Rennen betont. Deshalb mache es auch "wenig Sinn, sämtliche Weltcup-Rennen zu bestreiten. Es ist nicht möglich, den Rückstand in allen Disziplinen aufzuholen." Die dreifache Gesamtweltcup-Siegerin verzichtet aus diesem Grund erst einmal auf Abfahrt und Super-G, um eben im Riesenslalom durchzustarten.

Mikaela Shiffrin zieht mit Marcel Hirscher gleich

Mit ihrem 67. Sieg zog sie in der "ewigen" Bestenliste mit Österreichs Skistar Marcel Hirscher gleich. "67. Sieg - das klingt so komisch", sagte Mikaela Shiffrin. "Irgendwie fühlt es sich wie der erste Sieg an."

Drei ÖSV-Läuferinnen in den Top 10

Die rot-weiß-rote Truppe lieferte noch vor den Italienerinnen (9. Sofia Goggia/+2,27, 14. Elena Curtoni/+3,27, Anm.) mit drei Top-Ten-Plätzen bzw. fünf Läuferinnen in den Top 13 das beste Mannschaftsergebnis. War Katharina Liensberger schon am Samstag als Sechste am besten platziert, war sie es diesmal als Fünfte (+1,54). Die Vorarlbergerin verbesserte sich mit Laufbestzeit von Halbzeitrang acht. Stephanie Brunner wurde Sechste (+1,81), ihre engere Tiroler Landsfrau Ricarda Haaser Achte (+2,26).

Die Kärntnerin Katharina Truppe (+2,47) und die Steirerin Ramona Siebenhofer (+3,20) komplettierten den erfolgreichen ÖSV-Tag als Zwölfte bzw. 13., womit das Ergebnis noch ein wenig besser ausfiel als am Samstag. Da waren im ersten Courchevel-Riesentorlauf bei schlechteren Bedingungen mit Schneefall und mäßiger Bodensicht fünf Aktive in den Top 14 gewesen. Weltcup-Punkte gab es diesmal auch für Franziska Gritsch (18./+3,83), Elisa Mörzinger (24./+4,74) und Eva-Maria Brem (28./+5,08).

Liensberger schob sich so nebenbei auch an die sechste Stelle des nach wie vor von Petra Vlhova angeführten Gesamt-Weltcups. Die Slowakin fiel im ersten Lauf aus und kam damit erstmals in dieser Saison nicht auf das Podest. "Ich bin mega-happy. Ich freue mich riesig, dass es so gut gelaufen ist", erklärte Liensberger. "Ich habe gute Schwünge gehabt, auf die ich aufbauen kann. Dass es so gut geklappt hat, ist natürlich cool. Ich habe versucht, vom Start weg Gas geben."

Brunner mit Fehler im zweiten Lauf

Brunner war nach Heat eins Vierte gewesen, ihr Angriff auf ihr bisher insgesamt zweites Weltcup-Podest im Riesentorlauf war wegen eines Fehlers im zweiten Lauf aber nicht von Erfolg gekrönt. "Im Schlusshang bin ich zu spitz geworden, dann war es zum Raufen. Da kann man dann keine Geschwindigkeit aufbauen", führte die 26-Jährige aus. Mit zwei sechsten Rängen durfte sie dennoch zufrieden sein. "Die Formkurve zeigt nach oben." Am Semmering Ende Dezember will sie wieder vorne angreifen.

Haaser zeigte sich im französischen Ski-Ort deutlich verbessert, am Samstag war sie Zehnte geworden. "Ich bin schon zufrieden, in Sölden und Lech war ich noch im Niemandsland. Jetzt bin ich schon gut dabei." Jetzt müsse noch die Leistung stabilisiert werden, so die 27-Jährige. Während Truppe in ihrem 101. Weltcuprennen Konstanz bewies, war sie doch am Samstag Elfte, sah Siebenhofer auch eine gute Vorbereitung auf den Speed-Auftakt am Wochenende in Val d'Isere gegeben. (SID/APA/red.)