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Ski-WM: Gut genug für die Weltspitze? Pertl gab die Antwort

22. Feb. 2021

Foto: GEPA Pictures / Harald Steiner

Was für eine unglaubliche Entwicklung: Vor 14 Monaten freute sich Adrian Pertl noch über Platz 14 im Europacup - jetzt ist der Kärntner Vize-Weltmeister im Slalom.

Adrian Pertl ist keiner, der von klein auf in jeder Altersstufe alle in Grund und Boden fuhr, wie selbstverständlich in den Weltcup kam und locker drauflos zu seiner ersten WM-Medaille fährt. O.k., Letzteres trifft mit Slalom-Silber zum Abschluss der Titelkämpfe in Cortina zu. Ansonsten verlief seine Karriere bis Dezember 2019 eher holprig. Und der Kärntner hatte sich selbst schon gefragt: "Bin ich gut genug für die Weltspitze?"

Dass er das ist, hatte nicht zuletzt Slalom-Trainer Marko Pfeifer erkannt. Und holte den Techniker im Frühjahr 2020 zeitgleich mit Fabio Gstrein in seine Gruppe mit Marco "Blacky" Schwarz, Manuel Feller und Michael Matt. In einem Zoom-Meeting erfuhr Pertl seinerzeit von den Plänen des Trainers, und lernte dabei seine neuen Kollegen näher kennen. Es sei für ihn "eine Ehre" gewesen, in diese Gruppe zu kommen und mit den Besten trainieren zu dürfen.

Pertl schwärmt von "cooler Truppe"

"Das Konzept hat super gepasst. Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich hatte mit den anderen Athleten außer Blacky ja noch nicht viel zu tun gehabt. Aber nach den ersten zwei Kursen habe ich gemerkt: Das ist eine richtig coole Truppe. Wir haben immer eine feste Gaudi", schwärmte der 24-jährige Pertl am Montag nach seiner Rückkehr aus Italien.

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Pertl kommt aus Ebene Reichenau, ging von klein auf mit den Eltern und dem Opa zum Skifahren und fuhr im Bambini-Cup auch bald seine ersten Rennen. Im "kleinen, aber feinen Skiclub" in Reichenau fühlte er sich gut betreut. Von "Kinder- über Schülercup" seien "die Erfolge immer da" gewesen, weshalb er sich dann für die Ski-Akademie in Schladming entschied.

Mit 15 Jahren fuhr er seine ersten FIS-Rennen, mit 17 gelang der Sprung in den ersten ÖSV-Kader. "Dann ging es vier, fünf Jahre immer nur darum, den Kader-Status zu halten. Ich bin nicht unbedingt herausgestochen mit meinen Leistungen. Aber ich war auch nicht der schlechteste. Ich bin im Kader geblieben, der richtige Sprung ist aber erstmal nicht gekommen."

"Bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe"

Frustrierend sei diese Zeit nicht gewesen. Er habe sich am Start bei FIS-Rennen immer bemüht, um sich für Höheres zu empfehlen. "Aber man fragt sich dann auch, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, ob es das war. Oder ob doch noch was möglich ist vom Potenzial her. Ich habe mir des öfteren die Frage gestellt, ob ich einfach nicht gut genug bin für die Weltspitze. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nie aufgegeben habe. Dann sieht man, wie schnell es gehen kann. Vor eineinhalb Jahren habe ich mich über einen FIS-Sieg gefreut. Und gestern habe ich eine Silbermedaille bei einer WM gemacht."

Gebremst wurde Pertl 2016 durch einen Kreuzbandriss. Ein erstes Highlight erlebte er 2017 bei der Junioren-WM in Aare mit Slalom-Gold. FIS-Rennen waren in dieser Zeit aber noch immer sein Haupt-Betätigungsfeld. Und im Europacup musste er nach zahlreichen Einsätzen bis Dezember 2019 warten, ehe mit Rang 14 im Slalom von Val di Fassa das erste halbwegs brauchbare Ergebnis heraussprang. Gerade einmal 14 Monate ist das jetzt her.

"Ich habe sehr lange gekämpft, dass ich im Europacup überhaupt in die Top 30 reingefahren bin. Der 14. Platz war für mich echt ein Highlight." Danach wurde er Fünfter und es folgte Kitzbühel. Es war erst sein fünftes Weltcup-Rennen, er wurde Achter. Beim übernächsten Einsatz fuhr er als Dritter in Chamonix erstmals aufs Podest. Es folgten in diesem Winter die vierten Plätze beim Parallel-Rennen in Lech/Zürs und dem Chamonix-Torlauf als beste Ergebnisse.

Material-Wechsel bringt Pertl voran

"Die letzten eineinhalb Jahre waren ein Wahnsinn. Ich bin selbst überrascht gewesen, dass es so schnell gehen kann." Der Material-Wechsel habe sicher auch einen großen Teil dazu beigetragen. Bei Völkl steht ihm Ex-Weltmeister Manfred Pranger unterstützend zur Seite. "Als ich das erste Mal vor ihm stand, habe ich schon mal geschluckt. Manni ist ein super Typ. Er ist mit mir umgegangen, als wenn er mich schon lange kennen würde."

Nach zwei Tagen ausspannen, "Hunderte Nachrichten" beantworten, Zeit mit Familie und Freundin Anna sowie einer Therapie-Einheit bricht Pertl am Mittwoch in Richtung Zürich und dann weiter nach Bansko auf. Dort wird er am Wochenende die zwei Weltcup-Riesentorläufe bestreiten. Sein Ziel: Ein Platz unter den ersten 30.

In den verbleibenden Slaloms hofft der Vize-Weltmeister hinter Goldmedaillen-Gewinner Sebastian Foss-Solevaag auf gute Ergebnisse und einen (noch) weiteren Schritt nach vorne. "Damit ich immer konstant vorne mitfahren kann. Mit solchen Platzierungen erhöhen sich die Erwartungen. So ein Rennen wie gestern hilft viel weiter. Allein schon die Erfahrung, wenn man führt - wie es ist, wenn man den Druck aushalten muss." Und er sei froh, dass er der Skifahrer und nicht der Zuschauer war. "Es war ein spannendes Rennen und ziemlicher Nervenkitzel." (APA/red.)