Mindestens fünf Menschenleben hat ein schweres Unwetter mit einem Tornado im Südosten Tschechiens gefordert. Rund 200 Menschen wurden verletzt.

Ein Tornado hat am Donnerstagabend sieben Dörfer in der Region Südmähren verwüstet und 2.000 Häuser beschädigt. Dächer wurden abgedeckt, Stromleitungen niedergerissen und Autos umhergeschleudert. Ministerpräsident Andrej Babis spricht von einer „Apokalypse“ für Tschechien, wie er sie nie zuvor gesehen habe.

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Augenzeuge berichtet von „merkwürdigem Dröhnen“

Die Katastrophe ereignete sich etwa 270 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Prag, unweit der slowakischen und der österreichischen Grenze. Der Tornado war der erste in Tschechien seit 2018. Auch zahlreiche Einsatzkräfte aus Österreich halfen vor Ort. Verletzte wurden auch in niederösterreichische Krankenhäuser gebracht.

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. „Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde“, sagte ein Augenzeuge der Zeitung „Pravo“. „Dann begann die Hölle, alles flog herum.“ Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

Tornado-Experten gehen von 250 bis 400 km/h aus

Der Tornado wurde vorerst als Kategorie F3 klassifiziert, erfuhr die APA von der ZAMG. Dabei handelt es sich nach der Fujita-Skala um Sturmgeschwindigkeiten von 254 bis 332 km/h, die schwere Schäden verursachen können. Dächer und leichte Wände werden abgetragen, Züge entgleisen, Wald wird großteils entwurzelt, Lkw und Pkw werden umgeworfen oder verschoben, Autos können sogar angehoben werden. Nach Einschätzung eines ZAMG-Experten könnte es sich aber sogar um einen Tornado der Stärke F4 gehandelt haben, die Abklärungen laufen noch.

Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes, geht anhand der Schäden, die er auf den Bildern aus Tschechien gesehen hat, sogar von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 km/h aus. Das sei „ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam“. (APA/Red.)

Mehr dazu in den Servus Nachrichten am Freitag um 18:00 und 19:20 Uhr.